Community Nursing: Eine Pflegeperson für 165.000 Menschen

Eine Pflegefachkraft für 165.000 Menschen. Kann das funktionieren?

Die Landesregierung spricht von einer „Absicherung“ des Community Nursing in der Steiermark. Ein Blick auf die Zahlen zeigt etwas anderes: Ab 2027 bleiben im ganzen Land nur drei Vollzeitstellen. Eine Community Nurse ist damit für bis zu 165.000 Menschen zuständig. Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl hat im Landtag nachgerechnet und macht darauf aufmerksam, was das für ältere Menschen und ihre Familien bedeutet.

Was Community Nurses im Alltag leisten

Community Nurses sind diplomierte Pflegefachkräfte, die direkt in der Gemeinde arbeiten. Sie kommen nach Hause, beraten ältere Menschen und ihre Angehörigen und helfen, bevor aus einem kleinen Problem eine Krise wird. Ihr Ziel: Menschen sollen so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben können.

Viele steirische Gemeinden haben in den vergangenen Jahren erlebt, wie gut das funktioniert. Umso größer ist jetzt die Sorge.

Community Nursing Steiermark: Drei Stellen für drei Regionen

Ab 2027 finanziert das Land nur noch drei Community-Nurse-Vollzeitstellen – in Graz-Umgebung, Leibnitz und im Murtal. Alle anderen Regionen gehen leer aus. Wie stark das Angebot bereits geschrumpft ist, haben wir in unserem Beitrag vom Oktober zusammengefasst: Von rund 10,5 Stellen bleiben drei übrig.

Sandra Krautwaschl hat im Landtag vorgerechnet, was das konkret heißt:

  • Graz-Umgebung: eine Community Nurse für 165.000 Menschen
  • Leibnitz: eine Community Nurse für 90.000 Menschen
  • Murtal: eine Community Nurse für 71.000 Menschen

„Bisher lag dieser Richtwert bei 10.000 Menschen, wir sprechen also von zehnmal so vielen Menschen, für die eine Person jetzt zuständig ist. Da stellt sich schon die Frage: Wie soll sich das ausgehen?“, so Krautwaschl. Dass die Landesregierung diese Lösung als Fortschritt präsentiert, nennt sie „in Wahrheit nichts anderes als eine Mogelpackung“.

Warum Pflege zu Hause allen nützt

Die meisten Menschen wünschen sich, im Alter zu Hause zu bleiben, mit ihren Gewohnheiten, nah bei der Familie. Community Nursing macht genau das möglich. 

„Es ist zu befürchten, dass durch den Kahlschlag beim Community Nursing mehr Menschen in Pflegeheimen landen werden. Das widerspricht nicht nur den Wünschen der meisten Menschen, die möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben wollen, sondern treibt auch die Kosten für Pflege weiter in die Höhe“, sagt Krautwaschl.

Prävention ist also nicht nur menschlicher, sondern auch wirtschaftlich vernünftig: Wer früh Unterstützung bekommt, braucht später seltener einen teuren Heimplatz.

Erfahrung, die nicht verloren gehen darf

Mit der Kürzung droht noch ein weiterer Verlust. Hochqualifizierte Pflegefachkräfte haben das Community Nursing in den steirischen Gemeinden aufgebaut. Sie kennen die Menschen, die Strukturen vor Ort und wissen, wo Hilfe gebraucht wird. Dieses Wissen lässt sich nicht einfach ersetzen.

Sandra Krautwaschl bringt deshalb einen konkreten Vorschlag ein: Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl soll die derzeit tätigen Community Nurses jedenfalls in das neue Pilotprojekt einbinden. So bleibt zumindest die aufgebaute Erfahrung im System.