Community Nursing Steiermark: Land kürzt auf drei Stellen

Community Nursing: Langfristig gesichert, aber kaum Stellen

Eineinhalb Jahre lang war unklar, wie es mit Community Nursing in der Steiermark weitergeht. Jetzt steht fest, dass das Angebot ab 2027 in die Regelversorgung kommt. Der Preis dafür ist hoch: Statt rund 10,5 Vollzeitstellen bleiben nur drei übrig. Für viele Gemeinden und die Menschen, die dort Hilfe bekommen, ist das ein harter Einschnitt.

Was Community Nursing für die Menschen in der Steiermark leistet

In vielen steirischen Gemeinden sind Community Nurses längst eine feste Anlaufstelle. Sie beraten und begleiten Menschen und helfen ihnen, möglichst lange selbstbestimmt zu Hause zu leben. Ihre Arbeit setzt an, bevor Pflege überhaupt notwendig wird.

Genau das macht Community Nursing so wertvoll. Frühe Unterstützung verhindert spätere Kriseneinsätze. Angehörige und mobile Dienste werden entlastet, und es braucht weniger teure stationäre Versorgung. So entsteht mehr Lebensqualität direkt vor Ort.

Regelbetrieb ab 2027: Ein wichtiger Schritt mit großer Lücke

Dass Community Nursing ab 2027 dauerhaft in die Regelversorgung übergeht, sieht Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl als wichtigen Schritt. Die Grünen setzen sich seit Beginn dafür ein, das Angebot dauerhaft abzusichern (mehr dazu in unserem Beitrag vom Dezember 2025).

Die nun bekannt gewordene Ausgestaltung sieht allerdings deutlich weniger vor. Statt das bewährte Präventionsangebot abzusichern, reduziert das Land Community Nursing von derzeit rund 10,5 auf drei Vollzeitstellen. „Community Nursing wirkt dort, wo gute Pflege beginnen sollte: früh, nah bei den Menschen und bevor es überhaupt stationäre Betreuung braucht. Dieses Angebot jetzt auf drei Stellen zusammenzustreichen, ist ein Kahlschlag. ‚Regelbetrieb‘ bedeutet für diese Landesregierung offenbar, dass am Ende kaum noch etwas vom bisherigen Angebot übrig bleibt“, so Krautwaschl. 

Gemeinden sollen selbst zahlen

Besonders schwer wiegt für die Grünen, dass bestehende Angebote künftig nur weiterlaufen können, wenn Gemeinden sie selbst bezahlen. Krautwaschl: „Viele Gemeinden kämpfen ohnehin um jeden Euro. Ihnen jetzt zu sagen: ‚Wenn ihr eure Community Nurse behalten wollt, zahlt sie selbst!‘, heißt im Klartext: Pech gehabt. Damit schiebt das Land seine Verantwortung einmal mehr ab – und die Menschen verlieren eines der wenigen Angebote, das ansetzt, bevor Pflege überhaupt notwendig wird.“

Ob jemand früh Unterstützung bekommt, darf nicht vom Budget der eigenen Gemeinde abhängen.

Die Zahlen zeigen, wie stark das Angebot schon geschrumpft ist

Die Grünen haben bei der Landesregierung nachgefragt, wie es um Community Nursing steht. Die schriftliche Anfrage der Grünen und die Anfragebeantwortung von Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl zeigen deutlich, dass das Angebot bereits jetzt stark zurückgegangen ist:

  • Wochenstunden: von 690 (2025) auf rund 419 (2026)
  • Vollzeitäquivalente: von 18,25 auf 10,49
  • Landesmittel: von rund 1,92 Millionen Euro auf knapp eine Million Euro
  • Ab 2027: nur noch drei Vollzeitstellen

Das Angebot ist also in nur einem Jahr um mehr als 40 Prozent geschrumpft. Mit dem Regelbetrieb würde es noch einmal um mehr als zwei Drittel kleiner.

Prävention spart langfristig Kosten

Für Sandra Krautwaschl ist die Kürzung nicht nur sozial, sondern auch finanziell der falsche Weg: „Die Landesregierung kürzt genau dort, wo Menschen früh Hilfe bekommen und länger selbstständig bleiben können. Das ist gesundheitspolitisch kurzsichtig und am Ende auch die teuerste Variante.“

 

Die Grünen haben bereits beantragt, die Anfragebeantwortung im Landtag zu besprechen. Damit kommt das Thema in der Oktober-Sitzung auf den Tisch. Sandra Krautwaschl erwartet dort klare Antworten: „Landesrat Kornhäusl muss sich im Landtag erklären, was genau er sich dabei gedacht hat.“ Die Grünen setzen sich weiter dafür ein, dass gute Pflege früh und nah bei den Menschen beginnt.