Streetwork Murtal: Wenn Jugendlichen die Anlaufstelle wegbricht

Streetwork im Murtal: Wenn jungen Menschen die Anlaufstelle wegbricht

Erst Murau, dann Judenburg, jetzt wackelt auch Knittelfeld. Streetwork im Murtal steht nach Kürzungen des Landes von mehr als 30 Prozent vor dem Aus. Dass Jugendliche in der Region ihre Ansprechpersonen vorerst behalten, verdanken sie allein dem Träger, der einspringt. Die Grünen setzen sich dafür ein, dass diese wichtige Hilfe nicht vom Durchhaltevermögen einzelner abhängt.

Was Streetwork im Murtal leistet

Streetworker:innen gehen dorthin, wo junge Menschen ihre Zeit verbringen: auf Plätze, in Parks, an Bahnhöfe. Sie hören zu, wenn es zu Hause kracht, die Lehrstelle wackelt oder Sorgen über den Kopf wachsen. Sie helfen weiter, bevor aus einem Problem eine Krise wird. Für viele Jugendliche sind sie die erste erwachsene Person, der sie wirklich vertrauen.

Kürzungen in der Jugendarbeit: Ein Standort nach dem anderen

Genau dieses Angebot gerät nun unter Druck. Wie die Kleine Zeitung berichtet, wurden die Mittel für Streetwork im Murtal um mehr als 30 Prozent gekürzt. Das Geld reicht nur noch bis Ende Oktober.

Die Folgen sind bereits sichtbar: Aus Murau hat sich Streetwork schon zurückgezogen, der Standort Judenburg wurde geschlossen. Übrig bleibt nur noch Knittelfeld, und auch dort läuft das Angebot vorerst nur bis Jahresende weiter.

Ein Träger springt ein, aber wie lange?

Dass es in Knittelfeld überhaupt weitergeht, liegt am Psychosozialen Netzwerk. Der Träger finanziert die Arbeit vorläufig selbst. Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl würdigt diesen Einsatz ausdrücklich: „Dass die Verantwortlichen alles unternehmen, damit Jugendliche in der Region nicht auch noch diese wichtige Anlaufstelle verlieren, verdient großen Respekt.“

Gleichzeitig macht sie deutlich, dass das keine Dauerlösung sein kann: „Es kann doch nicht sein, dass die Landesregierung die Finanzierung nicht ausreichend absichert und damit jene unter Druck setzt, die auf diese Unterstützung angewiesen sind oder sie tagtäglich leisten.“

Überraschend kommt die Entwicklung für die Grünen nicht. Bereits im Vorjahr haben sie darauf aufmerksam gemacht, dass die Budgetpolitik von FPÖ und ÖVP Anlaufstellen für junge Menschen gefährdet. „Jetzt sehen wir leider, dass diese Befürchtungen nach und nach Realität werden“, so Krautwaschl.

Vorbeugen statt reparieren

Für Krautwaschl zeigt der Fall Murtal, wo die Landesregierung den Rotstift ansetzt: „An den großen Schrauben wird nicht gedreht, die Kleinen müssen es büßen.“ Statt strukturelle Reformen anzugehen, werde bei Angeboten wie Streetwork gespart, die jungen Menschen helfen, bevor ihre Probleme zu echten Krisen werden.

Ihre Rechnung ist einfach: Wer heute bei der Prävention spart, zahlt morgen drauf. „Diese Budgetpolitik richtet langfristig mehr Schaden an, als sie kurzfristig einspart.“

Das Murtal ist dabei kein Einzelfall. Auch bei Community Nursing und im aktuellen Landesbudget 2027 zeigt sich: Gespart wird dort, wo Menschen direkt Unterstützung bekommen.

Was die Jugendarbeit in der Steiermark jetzt braucht

Die Grünen bringen konkrete Lösungen ein, damit junge Menschen ihre Ansprechpersonen behalten:

  • Rasche, verbindliche Absicherung von Streetwork im Murtal, damit das Angebot über den Jahreswechsel hinaus bestehen bleibt.
  • Mehrjährige Planungssicherheit für Einrichtungen der Jugendarbeit, statt Finanzierung von Jahr zu Jahr.
  • Ein Jugendfonds des Landes, der finanziell belastete Gemeinden dabei unterstützt, ihre Angebote für Jugendliche zu erhalten.

Ob in Knittelfeld, Judenburg oder Murau: Jugendliche brauchen Menschen, die für sie da sind, und zwar verlässlich. „Dass diese Unterstützung erhalten bleibt, darf nicht vom finanziellen Durchhaltevermögen einzelner Träger abhängen“, sagt Sandra Krautwaschl.