Förderung für Wohnplattform gestrichen: Grüne orten unfassbaren Rückschritt
Die Wohnplattform Steiermark bietet Wohnraum, Betreuung und ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit psychischer Erkrankung. Der Gesundheitsfonds Steiermark hat der Einrichtung nun mitgeteilt, dass ihre bisherige Förderung von über 700.000 Euro für 2027 vollständig wegfällt.
Gleichzeitig sieht der Entwurf der neuen Pflegebetten-Bedarfsverordnung der blau-schwarzen Landesregierung erstmals steiermarkweit 360 Pflegeheimbetten mit Psychiatriezuschlag vor. Die Grünen üben scharfe Kritik und bringen das Thema im Landtag ein.
Pflegeheimbetten statt passender Wohnangebote
Seit Jahren wird die Fehlunterbringung psychisch erkrankter Menschen in Pflegeheimen fachlich kritisiert. Der Rechnungshof und das vom Land selbst beauftragte Experteninstitut EPIG empfehlen, solche Unterbringungen schrittweise zurückzufahren und passende Wohn- und Betreuungsangebote auszubauen. Die Landesregierung schlägt jedoch den gegenteiligen Weg ein.
„Das ist ein unfassbarer Rückschritt! Mit dem völlig widersinnigen Psychiatriezuschlag zahlt das Land Pflegeheimen weiter noch extra Geld dafür, dass sie Menschen aufnehmen, die dort oft gar nicht hingehören. Gleichzeitig wird ausgerechnet jene Einrichtung zu Tode gekürzt, die diesen Menschen ein selbstständiges Leben ermöglicht“, kritisiert Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl.
Überfallsartige Kürzung setzt Betroffene unter Druck
Besonders problematisch ist die Kurzfristigkeit. Die Wohnplattform hat laufende Betreuungsverträge mit den Menschen, die sie begleitet, und diese Verpflichtungen lassen sich nicht innerhalb weniger Wochen beenden. Eine wirtschaftlich stabile Einrichtung gerät dadurch in allen Bereichen unter Druck. Leidtragende sind die Menschen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind.
Weiterer Einschnitt bei gemeindenaher Versorgung
Nach den Kürzungen beim Community Nursing ist mit der Wohnplattform bereits ein weiteres gemeindenahes Versorgungsangebot betroffen. Solche Modelle können das Budget langfristig entlasten, weil sie teure Fehlunterbringungen in Pflegeheimen und unnötige Krankenhausaufenthalte vermeiden helfen.
Grüne fordern Gespräche und Überbrückungsfinanzierung
Die Grünen drängen auf rasche Gespräche mit der Wohnplattform und auf eine Überbrückungsfinanzierung für 2027. Krautwaschl wird den Förderstopp und die Pflegebettenplanung im Landtag thematisieren. „Blau-Schwarz kürzt ohne Rücksicht auf die Folgen, statt endlich die großen Strukturen zu reformieren. So hilft man keinen Menschen. So saniert man kein Budget. So macht man die Probleme nur noch größer“, so Krautwaschl.

