Initiative gegen Wasserknappheit in der Steiermark

Jeder Tropfen zählt: Wie die Steiermark Regenwasser sinnvoll nutzen kann

Das erste Halbjahr 2026 war in weiten Teilen der Steiermark von ungewöhnlicher Trockenheit geprägt. Böden litten, Bäuerinnen und Bauern bangten, Wälder standen unter Stress. Dabei landet Regen oft genau dort, wo er am wenigsten gebraucht wird: im Kanal. Die Grünen Steiermark wollen das ändern – mit einem konkreten Plan, der Gemeinden, Schulen und Privathaushalte gleichermaßen einbezieht.

Wasser als Ressource, nicht als Abfallprodukt

Seit Jahren versiegeln Siedlungen und Straßen immer mehr Fläche. Regenwasser, das früher langsam in den Boden sickerte, wird heute über Kanäle schnell abgeleitet. Die Folge: Trockenperioden treffen Böden und Grundwasser härter, während Starkregen die Kanalisation überfordert. Ein Widerspruch, der sich mit einfachen Maßnahmen abmildern ließe – wenn man Regenwasser als das behandelt, was es ist: eine wertvolle Ressource.

Genau das ist der Kern der Landtagsinitiative, die Sandra Krautwaschl und die Grünen Steiermark gemeinsam mit den Abgeordneten Lambert Schönleitner und Veronika Nitsche eingebracht haben. Der Antrag zeigt, wie ein neues Wassermanagement für die Steiermark aussehen könnte.

Das Vorbild: Thayaland in Niederösterreich

Was in der Steiermark noch aussteht, funktioniert in Niederösterreich bereits seit Jahren. Die „Regenwasser-Be-Halteregion Thayaland“ zeigt, wie es geht: Schulen und Kindergärten bekamen Regentonnen, öffentliche Gebäude wurden auf Regenwassernutzung umgestellt, Zisternen und Versickerungsbecken entstanden, und Bürgerinnen und Bürger wurden gefördert, wenn sie Regenwasser am eigenen Grundstück zurückhalten. Das Projekt wurde mit dem Staatspreis für Klimawandelanpassung ausgezeichnet.

„Thayaland zeigt: Es braucht keine riesigen Prestigeprojekte, damit etwas weitergeht. Viele kleine, gut geplante Schritte bringen echten Nutzen für die Wasserversorgung, für die Gemeinden, für die Landwirtschaft und für die Menschen daheim im Garten“, sagt Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl.

Was die Grünen für die Steiermark vorschlagen

Die Initiative umfasst sechs konkrete Maßnahmen:

  • Regenwasserplan für Gemeinden: Gemeinden sollen gemeinsam mit Fachplanerinnen und Fachplanern erheben, wo Regenwasser Probleme verursacht und wo es sinnvoll gespeichert oder versickert werden kann.
  • Landesweites Programm „Regenwasser-Be-Halteregion Steiermark“: Ein Förderprogramm nach Thayaland-Vorbild, das Gemeinden bei Zisternen, Versickerungsanlagen und naturnahen Maßnahmen unterstützt.
  • Förderung für Private: Wer am eigenen Grundstück Regenwasser zurückhält, soll künftig einfacher an Förderungen kommen, für Zisternen ebenso wie für naturnahe Versickerungslösungen.
  • Standard bei Landesgebäuden: Bei Neubauten und größeren Sanierungen soll die Regenwassernutzung künftig systematisch mitgedacht werden – für Bewässerung, Reinigung oder Sanitäranlagen.
  • Bewusstsein in Schulen und Kindergärten: Bildungsprogramme sollen bereits die Jüngsten für einen bewussten Umgang mit Wasser sensibilisieren.
  • Raumordnung und Entsiegelung: Mehr Flächen sollen entsiegelt werden, dezentrale Versickerung soll in der Raumplanung stärker verankert werden.

Wenig Aufwand, große Wirkung

„Wir erleben gerade, wie schnell Wasser zur Sorge werden kann: einmal fehlt es den Böden, den Bäuerinnen und Bauern und unseren Wäldern, dann kommt es bei Starkregen in kurzer Zeit viel zu viel. Genau deshalb ist unser Vorschlag so sinnvoll: Wir wollen Wasser nicht möglichst rasch in den Kanal schicken, sondern in der Landschaft halten. Jeder Tropfen, der versickert, gespeichert oder später genutzt wird, hilft“, erklärt Krautwaschl.

Ein Nebeneffekt des Ansatzes: Wer weniger Niederschlagswasser in Kanäle und Kläranlagen einleitet, spart langfristig Kosten – für Gemeinden und für die öffentliche Infrastruktur insgesamt.