Wenn der Garten zum Lebensraum wird: Das sind Steiermarks Renaturierungs-Sieger
Ein wilder Garten in Graz-Gösting, ein Bauernhof in Pöllau, ein Bachlauf bei Kumberg: In der Steiermark packen viele Menschen ganz konkret an, um der Natur wieder Platz zu geben. Beim zweiten steirischen Renaturierungspreis des Landtagsklubs der Grünen wurden jetzt die besten dieser Projekte ausgezeichnet. Sie zeigen, dass Naturschutz oft im Kleinen beginnt.
Großer Andrang bei der Preisverleihung in Graz
Die Preisverleihung des zweiten steirischen Renaturierungspreises fand unter reger Beteiligung aus dem Umwelt- und Naturschutzbereich in Graz statt. Der Termin war bewusst gewählt: Genau vor zwei Jahren beschloss die EU ihre Renaturierungsverordnung. Ein Meilenstein für den Schutz der Natur in Europa. Grünen-Bundessprecherin Leonore Gewessler, die damals in Brüssel maßgeblich an der Zustimmung beteiligt war, blickte bei der Veranstaltung auf diesen Tag zurück.
Klubobfrau Sandra Krautwaschl überreichte die Preise in drei Kategorien und zeigte sich beeindruckt von der Vielfalt der Einreichungen: „Wir waren überwältigt von den vielen kleinen und großen Beiträgen, die helfen, der Natur wieder mehr Raum zu geben. Herzlichen Dank für euer Engagement für unsere Umwelt und Natur. Ihr alle helft, unsere Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen zu erhalten.“
Die Sieger-Projekte im Überblick
Kategorie Garten
- 🥇 Gabriele Seidl und Jürgen Teuschl – „Schön wild“
- 🥈 Hannes Marksteiner – „Natur wieder Raum geben“
- 🥉 Veronika und Ferdinand Bauernhofer – „Kochen beginnt im Garten“
Kategorie Land- und Forstwirtschaft
- 🥇 Peter Pircher und Daniela Vikoler – Pircherhof
- 🥈 Robert Zechner – „Moos und Tümpel Platzerl“
- 🥉 Helga Luger-Schreiner – „AANAA“
Kategorie Vereine und NGOs
- 🥇 Berg- und Naturwacht Kumberg-St. Radegund – „Blühende Rabnitz“
- 🥈 Naturpark Spezialitäten Südsteiermark – „Wiedehopf trifft Smaragdeidechse“
- 🥉 ARGE Natur und Land – „Moartumpf Krakaudorf“
Für die ersten Plätze gibt es je 1.000 Euro, für die zweiten Plätze 600 Euro und für die dritten Plätze 350 Euro. Die Plätze vier bis zehn erhalten jeweils 150 Euro. Insgesamt hat der Landtagsklub der Grünen ein Preisgeld von 9.000 Euro bereitgestellt.
Ein wilder Garten mitten in Graz-Gösting
Mit „Schön wild“ zeigen Gabriele Seidl und Jürgen Teuschl, wie viel Natur selbst in einer Wohnsiedlung Platz findet. Gemeinsam mit der Zustimmung der übrigen 17 Eigentümer:innen pflegen sie einen Teil der Grünflächen naturnah, mähen ausschließlich mit Sense oder Sichel und greifen so wenig wie möglich in den natürlichen Bewuchs ein. Das Ergebnis: mehr heimische Wildpflanzen, mehr Lebensraum für Nützlinge – und Nachbar:innen, die zum Nachmachen animiert werden.
Vom intensiven Hof zur naturnahen Kreislaufwirtschaft
Peter Pircher und Daniela Vikoler haben aus einer früher intensiv bewirtschafteten Landwirtschaft einen biodynamischen Hof gemacht. Sie halten am „Picherhof“ seltene Nutztierrassen und bringen ihre Produkte direkt auf die Teller ihrer Feriengäste. Streuobstbäume, Naturhecken, Natursteinmauern, eine Magerwiese, ein renaturiertes Bachstück und ein Naturbadeteich holen die Natur zurück auf den Hof – und vermitteln den Gästen ganz nebenbei, warum Renaturierung für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen so wichtig ist.
Ein grüner Streifen entlang der Rabnitz
Die Berg- und Naturwacht Kumberg-St. Radegund hat mit „Blühende Rabnitz“ ein besonders wirkungsvolles Projekt umgesetzt: Entlang des Rabnitzbaches entsteht auf 1,5 Kilometern Länge ein ökologischer Trittstein mitten im intensiv genutzten Agrarland. Heimische Sträucher und Blühflächen bieten zahlreichen Arten Lebensraum und Rückzugsorte. Gleichzeitig erschweren sie die Ausbreitung invasiver Pflanzen wie dem Staudenknöterich und wirken als natürlicher Puffer zwischen Kulturlandschaft und Gewässer.
Warum solche Projekte zählen
Ob Garten, Hof oder Bachlauf: Die ausgezeichneten Projekte machen sichtbar, was Renaturierung im Alltag bedeuten kann. Sie schützen Wasser, Boden und Artenvielfalt und damit unsere Lebensgrundlagen vor der eigenen Haustür. Gerade weil viele dieser Initiativen von Einzelpersonen, Familien oder kleinen Vereinen getragen werden, zeigen sie, dass jede und jeder einen Beitrag leisten kann.

