TFA im Grundwasser: Land kennt eingesetzte Pestizidmengen nicht

TFA im Grundwasser: Die Daten wären da – das Land nutzt sie nicht

Die Ewigkeitschemikalie TFA taucht in immer höheren Mengen im steirischen Grundwasser auf. Das hat nun auch die zuständige Landesrätin Simone Schmiedtbauer im Landtag anerkannt. Wie viele Pflanzenschutzmittel, die zu dieser Belastung beitragen können, in der Steiermark ausgebracht werden, weiß das Land aber nicht. Dabei liegen genau diese Daten seit heuer digital vor. Sie werden nur nicht genutzt.

Ein Anstieg, den niemand mehr bestreitet

Die Grünen haben das Thema in der Landtagssitzung am 29. September mit einer Dringlichen Anfrage auf die Tagesordnung gebracht. Worum es dabei ging, lesen Sie hier. Landesrätin Schmiedtbauer bestätigte in ihrer Antwort, dass die Werte der Trifluoressigsäure, kurz TFA, im Grundwasser steigen.

Bei einer zentralen Frage blieb sie jedoch ohne Antwort. Die Grünen wollten wissen, wie viele Pflanzenschutzmittel jährlich ausgebracht werden, die zur TFA-Belastung beitragen können. Diese Daten liegen ihrem Ressort nicht vor, sagte die Landesrätin.

Grundwasserschutz braucht verlässliche Zahlen

Für Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl passt das nicht zum Vorsorgeprinzip. Nach diesem Grundsatz handelt man, bevor ein Schaden entsteht, und nicht erst danach.

„Wenn wir unser Grundwasser schützen wollen, brauchen wir verlässliche Daten. Die Landesregierung weiß nicht, wie viel von den Pflanzenschutzmitteln tatsächlich eingesetzt wird, die zur TFA-Belastung beitragen können. Gleichzeitig steigt die Belastung mit dieser Ewigkeitschemikalie. Da braucht es Vorsorge und genaues Hinschauen“, sagt Krautwaschl.

Pestizid-Anwendungsdaten: vorhanden, aber ungenutzt

Ausgerechnet diese Wissenslücke ließe sich leicht schließen. Seit heuer dokumentieren landwirtschaftliche Betriebe digital, welche Pflanzenschutzmittel sie wann und in welcher Menge einsetzen. Das schreibt die EU so vor. Die Aufzeichnungen bleiben bisher aber auf den einzelnen Höfen und werden nirgends gesammelt.

Die Grünen haben deshalb einen Antrag im Landtag eingebracht. Er sieht drei Schritte vor:

  • Zusammenführen: Das Land erfasst die Pestizid-Anwendungsdaten zentral und wertet sie aus.
  • Forschung ermöglichen: Unabhängige Wissenschaft und Medizin bekommen Zugang zu den Daten, unter Wahrung des Datenschutzes.
  • Transparenz schaffen: Die wichtigsten Ergebnisse veröffentlichen.

So ließe sich prüfen, ob bestimmte Mittel mit steigenden Werten im Grundwasser zusammenhängen. Die Regierungsparteien FPÖ und ÖVP haben den Antrag abgelehnt.

Klarheit nützt allen, auch der Landwirtschaft

Für Krautwaschl geht damit eine Chance verloren. Klarheit sei nämlich für alle Beteiligten wertvoll: „Die Daten sind da. Wir sollten sie nutzen, um herauszufinden, woher die Belastung kommt. Das hilft allen: Wenn sich ein Zusammenhang zeigt, können wir gezielt handeln. Und wenn sich ein Verdacht nicht bestätigt, ist das für die landwirtschaftlichen Betriebe genauso wichtig.“

Es geht also nicht darum, Bäuerinnen und Bauern unter Generalverdacht zu stellen. Saubere Daten schützen auch jene, die sorgsam wirtschaften.