Kinderbetreuung Steiermark: Keine Garantie für Bundesmittel

Kinderbetreuung in der Steiermark: Gemeinden brauchen Rückenwind statt Schulterzucken

Die Steiermark ist bei der Kinderbetreuung österreichweit Schlusslicht. Umso wichtiger wäre es, jeden Euro abzuholen, den der Bund für neue Plätze und Sprachförderung bereitstellt. Doch im Landtag wollte Bildungslandesrat Stefan Hermann genau das nicht mehr zusichern. Die Verantwortung sieht er bei den Gemeinden.

Aus 100 Prozent wird „keine Garantie“

Vor einem Jahr klang es noch eindeutig: Die Steiermark werde die gesamten Bundesmittel für den Ausbau der Kinderbetreuung und für Sprachförderung im Kindergarten abholen. Das hatte Bildungslandesrat Stefan Hermann angekündigt. Vor wenigen Tagen war dann nur noch von „weitgehend“ die Rede. Mehr dazu hier.

Deshalb hat Veronika Nitsche in der Landtagssitzung im September direkt nachgefragt. Die Antwort des Landesrats: „Ich kann im gegenständlichen Fall keine Garantie abgeben, weil die Letztverantwortung liegt bei den Gemeinden.“

Nitsche zieht daraus eine klare Bilanz: „Vor einem Jahr waren es noch 100 Prozent, jetzt gibt Hermann keine Garantie mehr ab. Und die Verantwortung dafür schiebt er einfach den Gemeinden zu.“ Ihre Sorge: Mit dieser Haltung bleibt die Steiermark bei der Betreuungsquote weiter Schlusslicht. „So wird die Situation für steirische Familien garantiert nicht besser werden.“

Warum Gemeinden beim Ausbau der Kinderbetreuung Hilfe brauchen

Dass viele Gemeinden finanziell unter Druck stehen, ist nicht neu. Genau das bremst den Ausbau von Krippen und Kindergärten seit Jahren. Denn Fördergelder vom Bund decken meist nur einen Teil der Kosten. Den Rest müssen die Gemeinden selbst aufbringen – und das können sich viele schlicht nicht leisten.

Für Familien hat das ganz konkrete Folgen:

  • Der nächste Krippenplatz ist oft zu weit weg oder gar nicht zu bekommen.
  • Kindergärten schließen am frühen Nachmittag – ein Problem für berufstätige Eltern.
  • Kinder verpassen Sprachförderung, die ihnen den Schulstart erleichtern würde.

Tirol zeigt, wie Unterstützung funktioniert

Dass ein Bundesland seinen Gemeinden unter die Arme greifen kann, zeigt Tirol. Dort gibt es einen Gemeinde-Investitionsfonds mit 200 Millionen Euro. Aus diesem Topf können auch Projekte für Kinderbildung und -betreuung finanziert werden. So wird aus Bundesgeld tatsächlich ein neuer Gruppenraum, eine längere Öffnungszeit oder eine zusätzliche Pädagogin.

Für Veronika Nitsche ist das der richtige Weg: „Wenn Gemeinden das Geld für neue Kinderbetreuungsplätze nicht aufbringen können, ist das kein Grund für das Land, sich achselzuckend zurückzulehnen. Es ist ein Auftrag, ihnen unter die Arme zu greifen.“

Jeder Euro zählt für steirische Familien

Gute Kinderbetreuung entscheidet mit darüber, ob Eltern arbeiten gehen können und ob Kinder faire Startchancen bekommen – egal, ob sie in Graz oder in einer kleinen Landgemeinde aufwachsen. Die Grünen setzen sich deshalb dafür ein, dass das Land die Gemeinden aktiv unterstützt, statt Verantwortung weiterzureichen.

Nitsche bringt es auf den Punkt: „Das Ziel eines verantwortungsvollen Bildungslandesrates muss sein, jeden verfügbaren Euro in die Steiermark zu holen und daraus Plätze zu machen, die Familien dringend brauchen.“