Klimaschutz als Zukunftsfrage für die Landwirtschaft

Klimaschutz als Zukunftsfrage für unsere Bauern und Bäuerinnen

Biobauer Andreas Handlos aus Kapfenberg berichtet aus 50 Jahren Erfahrung, wie dramatisch sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft auswirkt. Da er auf Grund der extremen Trockenheit zu wenig Futter für seine Rinder hat, musste er schon drei Kühe verkaufen. Die Grünen sehen eine naturnahe Bewirtschaftung als Zukunftsversicherung, mahnen aber auch ein, die Anstrengungen in den Klimaschutz zu erhöhen.

Trockenheit erreicht erstmals die gesamte Steiermark

Die außergewöhnliche Trockenheit hat heuer erstmals nicht nur einzelne Regionen, sondern große Teile der Steiermark flächendeckend erfasst. Beim gemeinsamen Pressegespräch der Grünen schilderte Biobauer Andreas Handlos seine Beobachtungen aus über 50 Jahren Landwirtschaft und zeigte auf, mit welchen Strategien sein Betrieb auf die Folgen des Klimawandels reagiert.

„Trockenheit kennen wir immer wieder mal regional – aber Trockenheit in dieser flächendeckenden Form, das ist neu“, sagt Andreas Handlos, der von drastischen Maßnahmen auf seinem Hof berichtet: Auf Grund von Futtermangel nach einer schlechten Heuernte musste er bereits drei Kühe verkaufen. Weitere werden wohl noch folgen. 

Die Klimakrise ist in der Steiermark längst angekommen

Die Auswirkungen des Klimawandels sind heuer besonders spürbar: ausgetrocknete Böden, sinkende Grundwasserstände, massive Probleme in der Landwirtschaft, ausgedehnte Waldbrände und erste Gemeinden mit Schwierigkeiten bei der Trinkwasserversorgung. Österreich hat sich seit 1900 bereits um 3,1 °C erwärmt – deutlich stärker als der globale Durchschnitt. Wissenschaftliche Analysen zeigen klar: Hitzewellen nehmen zu, Dürreperioden werden länger, Starkregenereignisse intensiver und Waldbrandrisiken steigen massiv.

50 Jahre Erfahrung: Ein Biobauer beobachtet den Wandel

Andreas Handlos beobachtet die Veränderungen der klimatischen Bedingungen auf seinem Hof oberhalb von Kapfenberg seit rund fünf Jahrzehnten. Seine Beobachtungen im Überblick:

  • Niederschläge haben sich in Menge und Verteilung über das Jahr stark verändert
  • speicherfüllender Regen ist seltener geworden
  • trockene Phasen werden länger und intensiver
  • die Temperaturen steigen spürbar an
  • die Schneemengen sind stark rückläufig
  • die Vegetationszeit hat sich verschoben – der Weidebeginn im Frühjahr liegt heute rund drei Wochen früher, das Weideende durch Wassermangel ebenfalls früher

Handlos setzt seit Jahren bewusst auf mehrere Standbeine und eine an die klimatischen Veränderungen angepasste Bewirtschaftung. Sein Betrieb zeigt beispielhaft, wie klimaresiliente Landwirtschaft in der Praxis aussehen kann.

  • der Tierbestand wird an das verfügbare Futter angepasst
  • Regenwasser wird zur Stallreinigung, zur Gülleverdünnung und für den Garten genutzt (Speichervolumen: rund 50.000 Liter)
  • Photovoltaik sorgt für saubere Energie
  • der Treibstoffverbrauch wurde reduziert

Grüne fordern entschlossenes Handeln der Landesregierung

Die Klimaszenarien zeigen eindeutig, dass sich die Situation in Zukunft weiter verschärfen wird. Die steirischen Grünen sehen daher dringenden Handlungsbedarf: Die Strategie zur Klimawandelanpassung muss überarbeitet werden – insbesondere in den Bereichen Wasser, Landwirtschaft und Katastrophenvorsorge.

„Die Steiermark bekommt die Auswirkungen des Klimawandels ganz besonders deutlich zu spüren. Wer jetzt nicht alles unternimmt, um die Menschen zu schützen, handelt fahrlässig. Um die Lebensgrundlagen für unsere Kinder und Enkelkinder abzusichern und die Steiermark auch in Zukunft lebenswert zu erhalten, braucht es jetzt konsequenten Klimaschutz“, betont Klubobfrau Sandra Krautwaschl.

Sämtliche Vorschläge für eine klimafitte Steiermark, die die Grünen in den letzten Monaten in den Landtag eingebracht haben, wurden von den Regierungsparteien FPÖ und ÖVP abgelehnt.

Das braucht es jetzt

  • Rascher Ausbau der Erneuerbaren Energien
  • Abbau von klimaschädlichen Förderungen
  • Deutliche Reduktion von Bodenverbrauch und Bodenversiegelung
  • Sicherung der Trinkwasserversorgung
  • Verhinderung von Nutzungskonflikten beim Wasser
  • Transparentes Monitoring von Wasserentnahmen
  • Anreizsysteme, um Wasser verstärkt in der Landschaft zu halten (z. B. Förderung von Zisternen)
  • Renaturierung: Flüsse, Auen und Feuchtgebiete als natürliche Wasserspeicher nutzen
  • Unterstützungsprogramme für klimaresiliente Landwirtschaft
  • Anpassungsmaßnahmen gegen Trockenstress
  • Programme zur kurzfristigen Anpassung der Forstwirtschaft

Anpassung an Klimawandel ist notwendig, keine Fleißaufgabe

Das Beispiel von Andreas Handlos zeigt, dass sich landwirtschaftliche Betriebe in der Steiermark längst aktiv an den Klimawandel anpassen müssen. Damit diese Anstrengungen nicht allein auf den Schultern einzelner Höfe lasten, fordern die Grünen eine überarbeitete Klimawandelanpassungsstrategie und konkrete Unterstützungsprogramme seitens des Landes – für sichere Wasserversorgung, resiliente Landwirtschaft und den Schutz kommender Generationen.