Grüner, kühler, lebenswerter: Graz bekommt ein stadtweites Netz aus Bäumen und Schatten
Die Sommer werden heißer, die Tropennächte mehr und die Frage, wie eine Stadt damit umgeht, entscheidet sich längst nicht nur im Rathaus, sondern an jedem Platz, jeder Straße, jedem Innenhof. In Graz nimmt eine Antwort darauf Gestalt an: Mit der Initiative „Grün verbindet Graz“ treibt Vizebürgermeisterin Judith Schwentner die bisher größte Begrünungs- und Entsiegelungsoffensive der Stadtgeschichte voran. Ziel ist ein engmaschiges Geflecht aus Bäumen, Grünkorridoren und begrünten Wegen, das sich durch alle Bezirke zieht und das Grün dorthin bringt, wo es am meisten fehlt.
Was steckt hinter „Grün verbindet Graz“?
Die Initiative ist keine Einzelmaßnahme, sondern ein Gesamtkonzept. Es baut auf der bestehenden städtischen Entsiegelungsförderung auf und geht konsequent einen Schritt weiter.
Über 3.300 neu gepflanzte Bäume, 15.500 Quadratmeter Blühwiesen und Staudenbeete sowie mehr als 100 umgestaltete Straßen und Plätze: Das sind die Ergebnisse der vergangenen Jahre. Jetzt soll daraus ein zusammenhängendes System werden.
„Grünraumprojekte wachsen in einem Plan für ganz Graz zusammen. Ein engmaschiges Netz aus Grün und Schatten, das sich durch die ganze Stadt zieht“, beschreibt Schwentner das Vorhaben. Das konkrete Ziel: In Zukunft soll jede Grazerin und jeder Grazer in weniger als drei Gehminuten eine begrünte, schattige Route erreichen können. Die Maschenweite der grünen Korridore soll dafür von 500 auf 250 Meter verringert werden.
Bäume als natürliche Klimaanlage
Das Herzstück des Konzepts ist das sogenannte Schwammstadt-Prinzip: Statt Regenwasser schnell abzuleiten, wird es im Boden gespeichert. Das entlastet das Kanalsystem und versorgt Bäume und Grünflächen auch in Trockenphasen mit Feuchtigkeit. Am Tummelplatz entstehen gerade rund 38 neue Bäume mit großflächigen Schwammstadt-Strukturen; für den Griesplatz sieht das Siegerprojekt weitere 45 Bäume und umfangreiche Entsiegelungen vor.
„Jeder entsiegelte Quadratmeter zählt. Jeder Baum wirkt wie eine natürliche Klimaanlage“, sagt Schwentner. Die Stadt plant dafür sogenannte Grüne Meilen und begrünte Grätzelplätze in allen Bezirken – als schattige Achsen für Alltagswege, Aufenthalt und Begegnung.
Sechs Schwerpunkte für mehr Grün in der Stadt
Die Initiative bündelt ihr Vorgehen in sechs konkreten Handlungsfeldern:
- Systematische Erfassung aller versiegelten Flächen und Hitze-Hotspots über das städtische Klima-Informationssystem
- Grüne Meilen und Schattenachsen in allen Stadtteilen
- Engmaschige Grünkorridore, die alle drei Minuten erreichbar sind
- Verbindung von Parks und Grünräumen durch durchgehende Wegeverbindungen
- Regenwasserretention und Ausbau des Schwammstadt-Prinzips
- Bürgerbeteiligung – Mitmachen soll einfacher und attraktiver werden
Was passiert am Jakominiplatz?
Der Jakominiplatz ist eines der bekanntesten Beispiele für die Herausforderung: Er ist gleichzeitig der wichtigste Verkehrsknoten der Stadt und einer der heißesten Orte in Graz. Grüne Gemeinderätin und Stadtplanerin Alexandra Würz-Stalder zeigt sich trotzdem zuversichtlich: „Mit uns werden die Grazerinnen und Grazer hier künftig unter Bäumen und im Schatten auf ihre Bim oder ihren Bus warten können.“
Geprüft werden neue Baumstandorte, die Erneuerung bestehender Baumquartiere mit Schwammstadt-Unterbau sowie technische Beschattung durch Sonnensegel – dort, wo Bäume (noch) nicht möglich sind. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt: Ersatzpflanzungen und zusätzliche Beschattungsfolien auf den Wartehäuschen.
Mitmachen: Ganz Graz pflastert ab
Die Initiative richtet sich nicht nur an die Stadtpolitik, sie lädt alle Grazerinnen und Grazer aktiv ein. Mit der städtischen Entsiegelungsprämie können Privatpersonen, Hausgemeinschaften, Vereine und Betriebe versiegelte Flächen aufbrechen und begrünen lassen. Gefördert werden Projekte ab 20 Quadratmetern mit 50 Euro pro Quadratmeter, maximal 15.000 Euro pro Vorhaben.
Schwentner sieht das als Teil eines weltweiten Trends: „Abpflastern ist eine Bewegung, weil Städte überall vor denselben Herausforderungen stehen: Hitze, Starkregen und zu viel versiegelte Fläche. Auch wir gehen diesen Weg gemeinsam mit den Grazerinnen und Grazern.“
Für die Grazer Grünen ist das Vorhaben auch eine soziale Frage. Schatten, saubere Luft und Grün vor der Haustür dürfen nicht vom Geldbeutel oder der Wohnadresse abhängen. Vor allem in dicht bebauten Stadtteilen mit wenig Privatgrün sind öffentliche Grünflächen für viele Menschen unverzichtbar. „Grün verbindet Graz“ soll deshalb in alle Bezirke reichen. Als Zeichen dafür, dass Klimaschutz und Lebensqualität keine Frage des Standorts sind. Die nächsten Schritte – vom Griesplatz bis zum Jakominiplatz – sind bereits in Planung.

