Rollau: Grüne wollen Flächencheck statt neuer Verbauung
1.300 Quadratmeter Grünland: So viel wurde in der Rollau in Söding-St. Johann kürzlich zu Industriegebiet umgewidmet. Für die Grünen im Gemeinderat ein Beschluss mit Folgen, die sich nicht rückgängig machen lassen. Sie setzen sich dafür ein, bestehende Flächen künftig genauer unter die Lupe zu nehmen, bevor neues Grünland verbaut wird. Denn was einmal zubetoniert ist, kann kein Wasser mehr speichern, keine Hitze mehr abfedern und keine Landwirtschaft mehr tragen.
Ein Nein mit klarer Begründung
In der jüngsten Gemeinderatssitzung am 30. Juni stimmte die Gemeinde Söding-St. Johann über die Umwidmung eines rund 1.300 Quadratmeter großen Grünlandstücks in der Rollau ab. Die Grünen stimmten dagegen. Ihr Argument: Boden, der einmal versiegelt ist, geht dauerhaft verloren, als Fläche für Landwirtschaft, als natürlicher Wasserspeicher und als Kühlung an heißen Tagen.
Gemeinderat Michael Kaindl bringt es so auf den Punkt: „Grünland, das einmal zubetoniert ist, kommt nicht mehr zurück. Gerade in Zeiten von Hitze und Starkregen brauchen wir freie Böden, die Wasser aufnehmen, kühlen und die Lebensqualität vor der Haustür sichern.“
Eine Grundsatzfrage für die Gemeinde
Für seinen Kollegen Michel Max Kalas steckt hinter der Entscheidung mehr als eine einzelne Flächenwidmung. Es geht um die Richtung, in die sich Söding-St. Johann entwickeln soll. Bleibt die Gemeinde ländlich geprägt, mit intakten Böden, Natur und Landwirtschaft? Oder wächst sie Schritt für Schritt weiter in Richtung Speckgürtel? Ist Grünland erst einmal verbaut, ist dieser Gestaltungsspielraum für immer weg.
Die Lösung: ein verbindlicher Flächencheck
Statt neue Flächen zu widmen, bringen die Grünen einen konkreten Vorschlag ein: einen verbindlichen Flächencheck, bevor über weitere Umwidmungen entschieden wird. Dabei sollen systematisch geprüft werden:
- Leerstände in der Gemeinde
- bestehende Industriebrachen
- bereits gewidmete, aber ungenutzte Betriebsflächen
- versiegelte Flächen mit Nachnutzungspotenzial
Das Ziel: Betriebe finden gute, passende Standorte, ohne dass automatisch weiteres Grünland verbraucht wird. So lässt sich wirtschaftliche Entwicklung mit dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verbinden, statt sie gegeneinander auszuspielen.
Bodenschutz als Vorsorge gegen Hitze und Starkregen
Kaindl verweist abschließend auf die wachsende Dringlichkeit des Themas: Wenn Sommer heißer werden und Starkregenereignisse häufiger auftreten, braucht es Böden, die Wasser in der Landschaft halten und Häuser, Gärten und Wege entlasten können. Deshalb gehöre Bodenschutz nicht in Sonntagsreden, sondern in konkrete Gemeinderatsbeschlüsse.

