Psychiatriezuschlag abschaffen: Neue Perspektiven statt Pflegeheim
In der Steiermark leben hunderte Menschen mit psychischen Erkrankungen in Pflegeheimen – obwohl sie dort eigentlich nicht hingehören. Besonders betroffen sind jüngere Menschen ohne hohen Pflegebedarf. Die Grünen Steiermark wollen das ändern und setzen auf betreutes Wohnen, mobile Unterstützung und echte Teilhabe. Es geht um Würde, Selbstbestimmung und passende Angebote statt Fehlplatzierungen.
370 Menschen betroffen – viele davon unter 60
Aktuell leben 370 Personen mit sogenanntem Psychiatriezuschlag in steirischen Pflegeheimen. 110 von ihnen sind jünger als 60 Jahre und haben eine Pflegegeldstufe unter 4. „Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass junge Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in Pflegeheimen landen, nur weil passende Angebote fehlen. Das darf in der Steiermark nicht länger Realität sein“, sagt Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl.
Für die Grünen ist klar: Hier handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem.
Fachleute warnen seit Jahren
Dass Pflegeheime für viele Betroffene kein geeigneter Ort sind, ist seit Langem bekannt. Fachleute aus der Sozialpsychiatrie, die Pflegeombudsschaft, die Behindertenanwaltschaft und die Volksanwaltschaft haben wiederholt darauf hingewiesen.
Auch der Bedarfs- und Entwicklungsplan Sozialpsychiatrie 2025 (BEP PSY 2025) hält fest, dass insbesondere jüngere Menschen ohne vorrangigen Pflegebedarf in anderen Einrichtungen besser aufgehoben wären. Stationäre Langzeitpflege soll nur in begründeten Ausnahmefällen zum Einsatz kommen.
Warum der Psychiatriezuschlag problematisch ist
Trotz dieser klaren fachlichen Grundlage werden Pflegeheime weiterhin über einen sogenannten Psychiatriezuschlag gefördert. Aus Sicht der Grünen verstetigt dieses System Fehlplatzierungen, anstatt passende Angebote auszubauen.
„Es kann nicht sein, dass wir ein System finanzieren, in dem viele Menschen falsch untergebracht sind“, so Krautwaschl. „Das Ziel sollte ein Leben in Würde und Selbstbestimmung sein – nicht soziale Isolation in einem Heim, das für ihre Lebensrealität nicht gemacht ist.“
Die Grünen setzen sich deshalb für einen klaren Kurswechsel ein:
- Psychiatriezuschlag schrittweise abschaffen
- Fehlplatzierungen von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen systematisch erfassen und mittels mehrjährigem Enthospitalisierungs- und Übergangskonzept abzubauen
- Mittel gezielt in betreute Wohnformen, mobile Unterstützung und Tagesstrukturen investieren
Antrag im Landtag eingebracht
Mit einem selbstständigen Antrag im Landtag wird die Landesregierung ersucht, diesen Weg einzuschlagen und die im BEP PSY 2025 festgehaltenen Bedarfe verbindlich umzusetzen.
Hier geht es zum vollständigen Antrag >> Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen nicht mehr in Pflegeheimen unterbringen und Psychiatriezuschlag abschaffen
Ziel ist eine moderne, gemeindenahe Sozialpsychiatrie, die Menschen stärkt, statt sie zu isolieren – und die Lebensqualität direkt vor der Haustür verbessert.
Psychische Erkrankungen dürfen nicht in Sackgassen führen. Mit dem geplanten Ausstieg aus dem Psychiatriezuschlag wollen die Grünen in der Steiermark neue Perspektiven schaffen – für mehr Selbstbestimmung, bessere Unterstützung und echte Teilhabe im Alltag.

