Kinderbetreuung in St. Veit: Familien verdienen mehr Spielraum

Wenn Kinderbetreuung zur Kostenfrage wird: Grüne in St. Veit sucht nach besseren Lösungen für Familien

Wer in St. Veit in der Südsteiermark einen Ganztagsplatz im Kindergarten braucht, zahlt derzeit rund 341 Euro im Monat – ohne soziale Staffelung. In der Nachbargemeinde Mettersdorf kostet die gleiche Betreuungszeit 100 Euro weniger. Dieser Unterschied hat den Gemeinderat nun zum Handeln bewogen. Mit einem gemeinsamen Antrag von Grünen, SPÖ und FPÖ soll die Kinderbildungsstruktur der Gemeinde auf den Prüfstand und das Ergebnis soll Familien spürbar entlasten.

Was Familien in St. Veit aktuell bezahlen

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Ein halbtägiger Kindergartenplatz kostet in St. Veit monatlich 176,25 Euro. Wer Ganztagsbetreuung braucht, zahlt obendrauf noch rund 152 Euro für die externe Nachmittagsbetreuung – insgesamt also über 328 Euro. Diese Zusatzkosten unterliegen dabei keiner sozialen Staffelung, während der Halbtagsbeitrag zumindest einkommensabhängig angepasst werden kann.

Im Vergleich: Eine reguläre Ganztagsgruppe nach dem Steiermärkischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz würde – mit Sozialstaffel – zwischen 235 und 294 Euro im Monat kosten. Andere Gemeinden in der Umgebung haben diesen Weg bereits gewählt. Mettersdorf am Saßbach etwa führt Kindergarten- und Krippengruppen unter gemeinsamer Leitung, setzt pädagogisches Personal flexibel ein und bietet Ganztagsbetreuung mit einkommensabhängigen Beiträgen an.

Warum der Gemeinderat jetzt handelt

Grünen-Gemeinderätin Katharina Gsell hat das Thema im Gemeinderat eingebracht – und dabei rasch Unterstützung aus verschiedenen politischen Lagern gefunden. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von SPÖ und FPÖ hat sie einen Antrag eingebracht, der die Gemeindeverwaltung beauftragt, die bestehende Betreuungsstruktur umfassend zu evaluieren.

Konkret soll geprüft werden:

  • ob der Kindergartenstandort mit externer Nachmittagsbetreuung künftig als ganztägige Ganztagsgruppe unter gemeindlicher Leitung geführt werden kann,
  • ob die extern organisierte Kinderkrippe in die Gemeindestruktur integriert werden kann,
  • ob auch die schulische Nachmittagsbetreuung stärker in gemeindliche Verantwortung übernommen werden soll,
  • und welche Kosten-Nutzen-Verhältnisse dabei entstehen.

Der Antrag wurde von acht Gemeinderätinnen und Gemeinderäten aus drei Fraktionen unterzeichnet – ein deutliches Signal für parteienübergreifenden Gestaltungswillen. Den vollständigen Antragstext gibt es hier zum Nachlesen.

„Viele Eltern wissen gar nicht, dass die Gemeinde hier Spielräume hat. Ob die Kinderbetreuung für die Familien leistbar ist, ist eine Frage der politischen Prioritäten. Andere Gemeinden zeigen, dass Familien deutlich stärker entlastet werden können als derzeit bei uns“, sagt Gsell.

Eltern wünschen sich auch eine Ganztagsschule

Neben den Kindergartenkosten beschäftigt die Eltern in St. Veit noch ein zweites Thema: die Ganztagsschule. Eine Petition, die von Eltern initiiert wurde, zeigt nach Einschätzung von Gsell klar, dass ein solches Angebot in der Gemeinde gewünscht wird. Dass sich der zuständige Ausschuss nun offiziell damit befassen soll, begrüßt sie ausdrücklich. „Wenn Eltern ihren Bedarf so klar aufzeigen, dann ist es umso wichtiger, dass wir gemeinsam nach Lösungen suchen. Die Betreuung sollte keine Frage des Wohnorts sein.“

Ein Problem, das über St. Veit hinausgeht

Der Kostendruck auf Familien entsteht nicht im luftleeren Raum. Bundesförderungen für die schulische Nachmittagsbetreuung sind weggefallen – und das Land Steiermark hat die entstehende Finanzierungslücke nicht ausgeglichen, sondern direkt an die Gemeinden weitergegeben.

Grünen-Landtagsabgeordnete Veronika Nitsche, Sozial- und Bildungssprecherin der Grünen Steiermark, hat dieses Problem bereits im Landtag angesprochen und Lösungsvorschläge eingebracht – mit dem Ziel, Familien vor zusätzlichen Belastungen zu schützen und den Gemeinden Planungssicherheit zu geben. FPÖ und ÖVP haben diese Vorschläge bislang abgelehnt.

„Wenn Bund, Land und Gemeinden einander die Verantwortung zuschieben, dürfen am Ende nicht die Familien die Rechnung bezahlen. Kinderbetreuung muss verlässlich organisiert und leistbar bleiben“, betont Nitsche.