Kinderbetreuung in der Steiermark: Familien müssen weiter auf Plätze warten
Viele steirische Eltern kennen das Problem: Die Kinderkrippe schließt zu Mittag, der Kindergarten hat im Sommer wochenlang zu. Eine neue Analyse des Momentum Instituts zeigt jetzt, wie groß die Lücke bei der Kinderbetreuung in der Steiermark tatsächlich ist. Nur noch ein Drittel der betreuten Kleinkinder hat einen Platz, der sich mit einem Vollzeitjob vereinbaren lässt. Trotzdem plant die Landesregierung für 2027 weniger Geld für Kinderbildung und -betreuung ein.
Was die neue Analyse zur Kinderbetreuung zeigt
Ein Betreuungsplatz allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob Eltern mit diesem Platz auch arbeiten gehen können. Genau das hat das Momentum Institut in seiner aktuellen Analyse untersucht.
Als „vollzeittauglich“ gilt ein Platz nach dem sogenannten VIF-Indikator (Vereinbarkeit von Beruf und Familie), wenn er:
- mindestens 47 Wochen im Jahr geöffnet ist,
- mindestens 45 Stunden pro Woche von Montag bis Freitag offen hat,
- an vier Tagen mindestens 9,5 Stunden geöffnet ist,
- und ein Mittagessen anbietet.
Steiermark mit dem größten Rückschritt aller Bundesländer
Während die meisten Bundesländer bei den Unter-Dreijährigen aufgeholt haben, geht es in der Steiermark in die andere Richtung. Vor sechs Jahren hatten noch 47 Prozent der betreuten Kleinkinder einen vollzeittauglichen Platz. Heute sind es nur mehr 33 Prozent. Das ist der stärkste Rückgang in ganz Österreich. Wie es anders geht, zeigen andere Bundesländer: Niederösterreich hat seine Quote im selben Zeitraum fast verdoppelt, Wien liegt bei fast 90 Prozent.
„Seit Jahrzehnten gibt es in der Steiermark viel zu wenige Plätze in Kinderkrippen und Kindergärten, und unter Blau-Schwarz geht in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie rein gar nichts weiter“, sagt Veronika Nitsche, Familiensprecherin und Landtagsabgeordnete der Grünen.
Am Land wird es besonders eng
Besonders schwierig ist die Lage abseits der Städte. Fünf der 20 österreichischen Bezirke mit dem geringsten Anteil vollzeittauglicher Plätze für Kleinkinder liegen in der Steiermark. In Murau sind es gerade einmal 3,4 Prozent, in Liezen 4,8 Prozent.
„Jedes Kind hat die gleichen Bildungschancen verdient – von Anfang an und egal, wo es zuhause ist und wieviel seine Eltern verdienen. Die Landesregierung darf die Familien nicht länger im Stich lassen“, so Nitsche.
Budget 2027: Weniger Geld für Kinderbildung und -betreuung
Der Budgetentwurf der Landesregierung zeigt, wohin die Reise gehen soll. Für Kinderbildung und -betreuung sind 2027 rund 238,3 Millionen Euro vorgesehen. Im Jahr davor waren es noch 244 Millionen Euro, also rund 6 Millionen Euro mehr. Die Grünen machen darauf aufmerksam, dass damit genau dort gespart wird, wo der Aufholbedarf am größten ist. Mehr dazu hier: Landesbudget Steiermark 2027.
Der Grüne 6-Punkte-Plan für bessere Kinderbetreuung
Wie es besser gehen kann, haben die Grünen bereits vor einem Jahr vorgelegt: mit ihrem 6-Punkte-Plan für einen Ausbauturbo bei der Kinderbetreuung. Die Eckpunkte:
- ein verbindlicher Ausbauplan mit klaren Zielen
- finanzielle Unterstützung für die Gemeinden
- faire Arbeitsbedingungen für Elementarpädagog:innen
- hohe Qualität mit kleinen Gruppen
- ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag
- Öffnungszeiten, die Vollzeitarbeit möglich machen, auch am Land und im Sommer
Für Nitsche ist der Plan aktueller denn je: „In keinem einzigen Punkt hat die Landesregierung Verbesserungen geschafft. Fortschrittliche Familienpolitik schaut anders aus!“

