Der Sommer 2026 als Weckruf:
„Klimaschutz ist Vorsorge“
Hitzewellen, ausgetrocknete Felder, hohe Schäden in der Landwirtschaft: Der Sommer 2026 hat in der Steiermark deutliche Spuren hinterlassen. Der renommierte Klimaforscher Gottfried Kirchengast zeigt in seiner Analyse, wie außergewöhnlich die Hitze war – und wie stark der menschengemachte Klimawandel dazu beiträgt.
Ein Sommer, der die Klimakrise sichtbar macht
Dass der Sommer 2026 kein gewöhnlicher war, bestätigt die Wissenschaft eindrücklich. Geophysiker und Klimaforscher Gottfried Kirchengast vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Uni Graz hat die vergangenen Monate genau analysiert: „Der ungebremste Klimawandel führt unausweichlich zu einer Intensivierung von Wetter- und Klimaextremen wie z. B. von Hitze in Österreich, deren Gesamtextremität sich 2011–2025 relativ zum Mittel 1961–1990 um das Achtfache verstärkt hat. Das ist vierfach stärker als ihre natürlichen Schwankungen in den letzten 1000 Jahren.“
Die Ergebnisse legen offen, dass die Hitze in diesem Jahr eine bislang beispiellose Stärke erreichte – und rund 80 Prozent davon gehen auf menschengemachte Emissionen zurück.
Kirchengast zieht daraus ein eindeutiges Fazit: „Es ist dabei, rein fachlich, eindrucksvoll zu sehen, wie zuverlässig die Klimaphysik und ihr Zusammenwirken mit der Atmosphärenphysik bei Wetterextremen funktionieren: Unausweichlich wird das Realität, was sich naturgesetzlich auf Basis der durch die menschengemachten Emissionen und Landnutzungsänderungen angetriebenen Naturvorgänge ergibt. Hier keinen professionellen Klimaschutz zu machen, ist absurd fahrlässig und rücksichtslos und geradezu anti-vernünftig.“
Für Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl ist damit klar, worum es jetzt geht: „Dieser Sommer zeigt, was Nicht-Handeln kostet. Wir wollen verhindern, dass die Rechnung jedes Jahr höher wird. Klimaschutz ist keine abstrakte Debatte. Es geht darum, wie heiß unsere Wohnungen werden, wie sicher unsere Wasserversorgung ist, wie hoch unsere Energiekosten sind und wie viel wir künftig für Schäden bezahlen.“
Nicht-Handeln wird teuer
Die wirtschaftlichen Folgen der Klimakrise sind in der Steiermark längst spürbar. Berechnungen des Wegener Centers zeigen: Bis 2030 könnten die klimawandelbedingten Gesamtschäden in Österreich jährlich 3,8 bis 7,6 Milliarden Euro erreichen, für 2050 werden rund 15 Milliarden Euro pro Jahr prognostiziert. Allein in der steirischen Landwirtschaft summieren sich die Schäden durch Dürre, Frost und Unwetter im Jahr 2026 bereits auf knapp 180 Millionen Euro.
Für Krautwaschl lautet die eigentliche politische Frage deshalb nicht, ob Klimaschutz etwas kostet, sondern wann investiert wird: „Wir können weiter jedes Jahr mehr Geld für Schäden ausgeben. Oder wir investieren heute dort, wo es den Menschen etwas bringt und Schäden verhindert. Genau darum geht es beim Klimaschutz.“
Klimaschutz, den man im Alltag spürt
Was Klimaschutz konkret bringt, zeigt sich fernab großer Zahlen im ganz normalen Alltag:
- Eine gut sanierte Wohnung bleibt im Sommer länger kühl und braucht im Winter weniger Energie.
- Mehr Energie aus Sonne und Wind macht uns unabhängiger von fossilen Energien und ihren Preisschwankungen.
- Wer mit Bus, Bahn oder Rad verlässlich ans Ziel kommt, hat für viele Wege eine echte Alternative zum Auto.
- Betriebe, die auf erneuerbare Energie umsteigen, werden unabhängiger von Preissprüngen und können langfristiger planen.
Klimaschutz wird damit dort konkret, wo Menschen ihn unmittelbar spüren: bei den Energiekosten, in der eigenen Wohnung, beim täglichen Weg zur Arbeit und bei der Sicherheit von Arbeitsplätzen und Betrieben.
Geld dorthin lenken, wo es wirkt
Mit einer Landtagsinitiative wollen die Grünen Klimaschutz zum verbindlichen Schwerpunkt der Landespolitik machen. Ziel des Antrags ist, dass Förderungen und Investitionen künftig darauf geprüft werden, ob sie Klimaschutz unterstützen oder die Klimakrise weiter verschärfen. Klimaschädliche Förderungen sollen schrittweise abgebaut und die freiwerdenden Mittel gezielt in wirksame Klimaschutzmaßnahmen gelenkt werden.
Ein mehrjähriger Klimaschutz-Investitionsfonds soll zusätzlich dafür sorgen, dass wichtige Maßnahmen langfristig abgesichert sind und nicht jedes Jahr neu von der aktuellen Budgetlage abhängen. Größere Landesprojekte sollen künftig vorab auf ihre Klimawirkung geprüft werden.
Krautwaschl bringt den Widerspruch, den sie beheben will, auf den Punkt: „Es ist doch widersinnig, auf der einen Seite immer mehr für Dürre-, Hitze- und Hochwasserschäden zu bezahlen und auf der anderen Seite weiter Geld in Strukturen zu stecken, die diese Entwicklung verschärfen. Öffentliche Mittel sollen dort wirken, wo sie Menschen schützen und Folgekosten vermeiden.“
Wer unter Hitze leidet, braucht Schutz
Neben mehr Tempo beim Klimaschutz braucht die Steiermark gleichzeitig konkrete Klimaanpassung für jene Folgen, die schon heute spürbar sind. Wenn Wohnungen nachts kaum noch auskühlen, ältere und kranke Menschen unter anhaltender Hitze leiden, Arbeiten im Freien zur Belastung werden oder Felder austrocknen, wird die Klimakrise für viele ganz konkret. Für landwirtschaftliche Betriebe geht es dabei zunehmend auch um die eigene wirtschaftliche Existenz.
Die Steiermark kann hier vorsorgen: mit besserem Hitzeschutz bei Gebäuden und Sanierungen, mit mehr Bäumen und Grün in Städten und Gemeinden, mit weniger versiegelten Flächen und mit Maßnahmen, die Regenwasser länger in der Landschaft halten. Das hilft gegen Überhitzung, entlastet bei Starkregen und gibt Landwirtschaft und Natur in Trockenperioden mehr Spielraum.
Für Krautwaschl zeigt sich nach diesem Sommer auch eine Veränderung in der politischen Debatte: „Nach diesem Sommer sprechen selbst jene, die die Klimakrise lange kleingeredet oder Klimaschutz skeptisch gesehen haben, plötzlich über Klimaschutz und Vorsorge. Das ist gut. Jetzt braucht es den nächsten Schritt: konkrete Maßnahmen, die Menschen heute schützen und verhindern, dass die Belastungen weiterwachsen. Klimaschutz ist Vorsorge. Machen wir daraus endlich den Maßstab für die Politik in der Steiermark.“

