„Mit dem Klimaticket bis zur Haustür“ ist machbar
Ein bislang unter Verschluss gehaltenes Gutachten des Landes Steiermark bringt neuen Zündstoff in die Debatte um den öffentlichen Verkehr am Land und gibt Antworten auf die Frage, wie Sammeltaxis und Co finanziert werden können. Die im Oktober 2024 fertiggestellte Expertise empfiehlt klar, den Mikro-ÖV vollständig in den Verkehrsverbund – und damit auch ins Klimaticket – zu integrieren. Ans Licht kam das Papier erst durch eine Anfrage der Grünen nach dem Informationsfreiheitsgesetz.
Land verweigert Umsetzung trotz eindeutiger Empfehlung
Die Grünen mussten zwei Anläufe unternehmen, um Zugang zu der brisanten Studie zu erhalten. Das Ergebnis bestätigt eine Forderung, die die Grünen seit Jahren erheben: ein landesweit einheitliches Mikro-ÖV-System nach dem Motto „Mit dem Klimaticket bis zur Haustür“.
„Die Experten der Landesregierung haben klar empfohlen, das von uns seit Jahren vorgeschlagene Modell ‚Mit dem Klimaticket bis zur Haustür‘ umzusetzen, weil es für die Bürger in den steirischen Regionen den größten Mehrwert bringt“, betont Schönleitner.
Besonders brisant: Das Papier wurde weder veröffentlicht noch dem Landtag vorgelegt. Schönleitner spricht von einem gezielten Verheimlichen: „Dass der positive Endbericht den Steirer:innen und dem Landtag aktiv verheimlicht wurde und es somit bis heute keine Lösung für die ‚letzte Meile‘ am Land gibt, ist ein blau-schwarzes Totalversagen.“
Überschaubare Kosten von 15 Millionen Euro
Ein zentrales Argument gegen die Umsetzung war bislang stets das Budget. Die Expertise widerlegt das: Ein flächendeckendes Basisangebot würde das Land jährlich rund 15 Millionen Euro kosten – eine absolut überschaubare Summe.
Konkret vorgesehen sind:
- Haltepunkte in allen Siedlungskernen ab 50 Einwohnern
- Betriebszeiten von Montag bis Samstag, 6 bis 22 Uhr
- Hausabholungen, etwa für Arztbesuche
- Einbindung in den Verbundtarif und damit keine Mehrkosten mit Klimaticket
Damit hätten laut Gutachten 75 bis 80 Prozent der Bevölkerung außerhalb von Graz fußläufigen Zugang zum höherrangigen öffentlichen Verkehr.
Schönleitner hält der Argumentation der Landesregierung („nicht finanzierbar“) ein Vergleichsbeispiel entgegen: „Die jährlich entstehenden Kosten durch die geplante B68 und B70 – Erhaltung, Finanzierung und Abschreibung der Investition – alleine kommen auf diese Größenordnung.“
Rückenwind auch aus dem Tourismus
Die Forderung nach einer Lösung für die „letzte Meile“ wird längst nicht mehr nur von den Grünen erhoben. „Auch der steirische Tourismus pocht wie die Grünen auf die Umsetzung einer Lösung für die letzte Meile, weil es für die Gäste ein entscheidendes Qualitätskriterium ist“, so Schönleitner.
Die Grünen fordern die Landesregierung nun auf, das Gutachten aus dem Jahr 2024 endlich ernst zu nehmen, ein verbindliches steirisches Mikro-ÖV-Modell zu beschließen und die notwendigen Mittel im Landesbudget zu verankern.

