Gratkorn spart bei Familien, bei befreundeten Vereinen hingegen nicht
Schulstartgeld weg, Klimaticket-Förderung weg, dafür teurere Musikschule und neues Kopiergeld für Schulkinder: Die Marktgemeinde Gratkorn hat ein hartes Sparpaket beschlossen. Für Grüne und ÖVP im Gemeinderat ist das nachvollziehbar, solange alle denselben Maßstab spüren. Genau daran zweifeln sie jetzt: Bei Vereinen mit engen SPÖ-Verbindungen scheint der Rotstift deutlich stumpfer zu sein.
Ein Sparpaket, das vor allem Familien trifft
In der Gemeinderatssitzung vom 1. Juli 2026 hat die SPÖ-Mehrheit in Gratkorn ein umfangreiches Sparpaket durchgesetzt. Gestrichen wurden unter anderem das Schulstartgeld und die Förderung fürs Klimaticket – zwei Unterstützungen, von denen bislang viele Familien und Pendler:innen profitiert haben. Gleichzeitig steigen die Musikschulbeiträge spürbar, und neu kommt ein Kopiergeld für alle Schülerinnen und Schüler dazu.
Dass eine Gemeinde in wirtschaftlich angespannten Zeiten sparen muss, stellen weder die Grünen noch die ÖVP in Gratkorn infrage. Was sie beschäftigt, ist etwas anderes:„Wenn Familien, Schülerinnen und Schüler sowie Pendlerinnen und Pendler Unterstützung verlieren, dann braucht es bei allen Ausgaben der Gemeinde denselben Maßstab. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass für SPÖ-nahe Organisationen andere Regeln gelten als für alle anderen“, sagt Grünen-Gemeinderat Martin Holzer.
Zehn Jahre keine Miete: der Fall Pensionistenverband
Besonders genau schauen sich Grüne und ÖVP den Umgang mit dem Pensionistenverband an. Der nutzt seit Jahren den VIP-Raum im Stadion Gratkorn. Laut einem Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2015 wären dafür eigentlich 41 Euro pro Stunde fällig – mit einer ausdrücklich vorgesehenen Ermäßigung von 50 Prozent für Dauermieter.
Passiert ist das lange nicht: Bis Mai 2026, also mehr als zehn Jahre nach dem Beschluss, wurde dem Verein kein einziger Cent verrechnet. Der Obmann des – laut Eigendefinition „SPÖ-nahen“ – Pensionistenverbands sitzt gleichzeitig für die SPÖ im Gemeinderat.
Tennisklub Gratkorn: günstige Pacht, teure Zusatzkosten für die Gemeinde
Ein zweites Beispiel betrifft den Tennisklub Gratkorn. Er pachtet die gemeindeeigene Tennisanlage – samt Restaurant, Halle, Umkleide- und Büroräumen – um rund 3.000 Euro im Jahr. Der Pachtvertrag stammt aus 2023 und wurde seither nicht verändert.
Trotzdem übernimmt die Gemeinde seit 2025 zusätzlich:
- rund 20.000 Euro Reinigungskosten
- rund 30.000 Euro Personalkosten für die verpachtete Tennishalle
Eine Grundlage dafür findet sich im vom Gemeinderat beschlossenen Pachtvertrag nicht. Auch hier gibt es eine politische Nähe: Der SPÖ-Gemeindekassier ist im Vorstand des Vereins tätig.
Anträge von Grünen und ÖVP, diese Punkte aufzuklären und zu beseitigen, wurden von der SPÖ im Gemeinderat abgelehnt.
Auch bei den eigenen Sitzungsgeldern keine Einsparung
Die ÖVP Gratkorn hatte zusätzlich vorgeschlagen, angesichts der angespannten Finanzlage auf die Sitzungsgelder für Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen zu verzichten. Auch dieser Vorschlag fand bei der SPÖ keine Mehrheit.
„Wer von der Bevölkerung Einschnitte verlangt, sollte auch selbst bereit sein, einen Beitrag zu leisten. Sparen darf nicht bedeuten, bei allen anderen zu kürzen und gleichzeitig eigene Strukturen und Begünstigte auszusparen“, sagen Holzer und ÖVP-Gemeinderätin Karin Preitler unisono.
Preitler bringt es auf den Punkt, worum es den beiden Fraktionen eigentlich geht: „Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, nach welchen Kriterien hier öffentliche Gelder eingesetzt werden.“
Was Grüne und ÖVP jetzt vorschlagen
Statt weiterer Kritik im Klein-Klein setzen die beiden Fraktionen auf einen klaren, für alle nachvollziehbaren Grundsatz: gleiche Regeln für alle Vereine und Organisationen in der Gemeinde. Sie bringen sich dafür mit einer konkreten Forderung nach voller Kostenwahrheit ein – über sämtliche Förderungen, Subventionen und geldwerte Leistungen der Gemeinde hinweg. Das soll sicherstellen, dass künftig nachvollziehbar bleibt, wer wie viel Unterstützung von der Gemeinde erhält – unabhängig davon, wer im Vorstand sitzt.

