Unerwartete Erhöhung der Nächtigungsabgabe trifft Betriebe unvorbereitet

Nächtigungsabgabe soll sich fast verdoppeln – ohne Abstimmung mit den Betrieben

Die Preise für 2027 stehen, die Angebote sind verschickt, die ersten Gäste haben gebucht. Jetzt soll die Nächtigungsabgabe in der Steiermark von 2,50 auf 4,90 Euro pro Nacht steigen, ohne dass die Branche vorher eingebunden wurde. Hotels, Pensionen und Campingplätze stehen damit vor einer Rechnung, die sie nicht mehr einplanen konnten. Der Grüne Tourismussprecher Lambert Schönleitner holt sich deshalb am Dienstag im Landtag Antworten von Landeshauptmann Mario Kunasek.

Was sich bei der Nächtigungsabgabe ändern soll

Die Nächtigungsabgabe zahlen Gäste pro Person und Nacht. Die Betriebe heben sie ein und geben sie weiter. Bisher sind das in einem steirischen Beherbergungsbetrieb 2,50 Euro. Künftig sollen es 4,90 Euro sein, ein Plus von fast 100 Prozent.

Was das konkret bedeutet, zeigt ein einfaches Beispiel: Ein Paar, das eine Woche in der Steiermark Urlaub macht, zahlt künftig rund 34 Euro mehr, nur an Abgabe. Für eine Familie oder eine Reisegruppe wird es entsprechend mehr.

Warum die Erhöhung die Tourismusbranche so hart trifft

Das Problem ist nicht nur die Höhe, sondern vor allem der Zeitpunkt. Wer im Tourismus arbeitet, plant lange im Voraus. Preise für die nächste Saison werden Monate vorher festgelegt, Angebote gehen an Reisebüros und Stammgäste hinaus.

„Die Betriebe haben ihre Preise für 2027 längst kalkuliert, Angebote verschickt und Buchungen angenommen. Und dann kommt der Landeshauptmann mit einer Hauruck-Aktion daher, die alles über den Haufen wirft“, sagt Lambert Schönleitner. „So geht man mit einer der wichtigsten Branchen unseres Landes nicht um.“

Für viele Familienbetriebe heißt das jetzt: entweder die Mehrkosten selbst schlucken oder bereits bestätigte Preise nachträglich ändern. Beides kostet Geld oder Vertrauen.

Planungssicherheit: Was steirische Betriebe jetzt brauchen

Der Tourismus ist in vielen steirischen Regionen weit mehr als ein Wirtschaftszweig. Er hält Gasthäuser offen, sichert Arbeitsplätze im Tal und sorgt dafür, dass Orte lebendig bleiben. Gerade deshalb setzen sich die Grünen dafür ein, dass Entscheidungen wie diese gemeinsam mit den Betroffenen getroffen werden.

„Die Betriebe brauchen Planungssicherheit und einen Tourismusreferenten, auf dessen Wort sie sich verlassen können“, so Schönleitner. „Stattdessen werden sie vor vollendete Tatsachen gestellt. Das ist das Gegenteil von verlässlicher Wirtschaftspolitik.“

Tourismusverbände, Hotels und Campingplätze melden sich zu Wort

Inzwischen stellen sich Tourismusverbände, Hoteliers und Campingplatzbetreiber öffentlich gegen die Vorgangsweise des Landes. Für Schönleitner ist das wenig überraschend: Wer eine ganze Branche nicht einbindet, darf sich über deren Reaktion nicht wundern.

Landtag: Antworten vom Landeshauptmann gefragt

Im Oktober-Landtag stellt Lambert Schönleitner Landeshauptmann Mario Kunasek, der auch für den Tourismus zuständig ist, im Landtag zur Rede. „Warum hat Kunasek diese Erhöhung derart unprofessionell, unabgestimmt und unverhältnismäßig durchgeboxt? Genau darauf erwarte ich mir am Dienstag eine Antwort.“

Alle Fragen an den Landeshauptmann sind in der Befragung zur Erhöhung der Nächtigungsabgabe nachzulesen.