Landwirtschaft schützem: Faire Regeln statt politischem Wegschauen

Landwirtschaft unter Druck: Faire Regeln statt politischem Wegschauen

Die steirische Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Internationale Handelsabkommen, sinkende Förderungen und fehlende Schutzmechanismen bringen viele bäuerliche Betriebe an ihre Grenzen. Die Grünen zeigen auf, wie faire Regeln, transparente Märkte und eine starke öffentliche Beschaffung regionale Landwirtschaft sichern können.

Mercosur: Handel braucht klare Leitplanken

Beim Pressegespräch im Steirischen Presseclub machte Thomas Waitz deutlich: Handel ist wichtig – aber nicht um jeden Preis. Das geplante Abkommen mit Mercosur dürfe nicht auf Kosten bäuerlicher Familienbetriebe gehen.

Täglich verlieren in der EU 700 bis 800 Höfe ihre Existenz, in Österreich sind es aktuell neun pro Tag. Gleichzeitig sinken die Agrarförderungen deutlich. Viele Betriebe arbeiten bereits jetzt unter enormem wirtschaftlichem Druck. Ohne Schutzmaßnahmen und vergleichbare Standards droht zusätzlicher Wettbewerbsnachteil.

Besonders problematisch sind die ungleichen Produktionsbedingungen:

  • fehlende Rückverfolgbarkeit von Rindern
  • Einsatz von in der EU verbotenen Pestiziden
  • Antibiotika als Wachstumsförderer

Wer höchste Umwelt- und Tierwohlstandards einhält, darf nicht gegenüber Billigimporten verlieren.

Öffentliche Beschaffung: Bestehender Plan gerät ins Wanken

Für Olga Voglauer liegt ein zentraler Hebel zur Absicherung bäuerlicher Betriebe in der nachhaltigen öffentlichen Beschaffung. Bund, Länder, Spitäler und landesnahe Einrichtungen kaufen jährlich Lebensmittel im Wert von mehreren hundert Millionen Euro ein – ein enormes Potenzial für regionale Wertschöpfung.

Eigentlich gibt es dafür klare Vorgaben:
Bis 2030 sollen 55 Prozent der eingekauften Lebensmittel aus biologischer Produktion stammen, außerdem soll 100 Prozent des Fleisches tierwohlzertifiziert sein. Dieser bestehende Plan hat vielen Betrieben Planungssicherheit gegeben – und Investitionen in Tierwohl und Qualität ermöglicht, auch in der Steiermark.

Doch genau diese Klarheit gerät derzeit ins Wanken. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, denn rückt von den festgelegten Zielen ab.

Höhere Standards sind finanzierbar

Auch Andreas Lackner macht deutlich, dass höhere Standards in der öffentlichen Beschaffung keine Kostenexplosion bedeuten. Ein Blick auf die steirische KAGes zeigt das sehr konkret: Lebensmittel machen dort lediglich rund 0,66 Prozent der gesamten Ausgaben aus.

Selbst spürbare Verbesserungen bei Herkunft, Bio-Anteil oder Tierwohl hätten damit nur minimale Auswirkungen auf das Gesamtbudget. Die oft bemühte Behauptung, höhere Standards seien nicht leistbar, hält dieser Rechnung nicht stand.

Gleichzeitig ist der Nutzen hoch:

  • Die Wertschöpfung bleibt in der Region
  • bäuerliche Betriebe erhalten faire Absatzmärkte
  • Arbeitsplätze und Infrastruktur im ländlichen Raum werden gesichert

Was im Budget kaum ins Gewicht fällt, macht für regionale Höfe oft den entscheidenden Unterschied.

Herkunftskennzeichnung schafft Transparenz

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. Die Zustimmung in der Bevölkerung ist hoch, auch landwirtschaftliche Interessenvertretungen sprechen sich dafür aus.Nur die ÖVP zeigt hier wieder ihre zwei Gesichter und blockiert.

Transparenz stärkt Konsument:innen – und jene Betriebe, die sauber und regional produzieren. Gerade im Zusammenhang mit Mercosur könnte eine klare Kennzeichnung viele Nachteile abfedern und faire Entscheidungen ermöglichen.

Kleine Betriebe entlasten, Regionen stärken

Zunehmend zur Belastung wird auch die Sozialversicherung, vor allem für kleine und Nebenerwerbsbetriebe. Diese Höfe leisten einen wichtigen Beitrag für Landschaftspflege, Tourismus und Lebensqualität im ländlichen Raum – gerade in Regionen wie der Obersteiermark.

Gehen sie verloren, fehlen ganze Strukturen. Faire Rahmenbedingungen sind daher auch eine Investition in regionale Zukunft.

Landwirtschaftskammerwahl 2026: Mitgestalten statt zuschauen

Mit Blick auf die Landwirtschaftskammerwahl im Jänner 2026 betonen die Grünen die Bedeutung von Kontrolle und Vielfalt in einer Körperschaft öffentlichen Rechts. Der starke Zulauf zur grünen Liste zeigt: Viele Bäuerinnen und Bauern wünschen sich Veränderung und eine konsequente Vertretung kleiner und mittlerer Familienbetriebe.

Wer sich genauer informieren möchte, findet hier das Wahlprogramm der Grünen Bäuer:innen und Bauern mit ihren Schwerpunkten für faire Märkte, regionale Wertschöpfung und starke Familienbetriebe:

Ausblick: Landwirtschaft mit Zukunft

Die heimische Landwirtschaft hat eine Zukunft, wenn Politik Verantwortung übernimmt:

  • faire Handelsregeln,
  • starke öffentliche Beschaffung,
  • klare Herkunftskennzeichnung
  • und Unterstützung für Betriebe mit hohen Standards.

Dafür setzen sich die Grünen auf europäischer, nationaler und steirischer Ebene weiter ein – konstruktiv, lösungsorientiert und im Dialog mit den Betrieben.