Weniger Angebote, weniger Halt: Jugendarbeit in der Steiermark gerät unter Druck
Jugendzentren sperren zu, Streetwork-Angebote verschwinden, erfolgreiche Produktionsschulen werden geschlossen. In der Steiermark wird Jugendarbeit zunehmend ausgedünnt – nicht punktuell, sondern systematisch. Die Grünen Steiermark machen aufmerksam auf diese Entwicklung und zeigen, warum Einsparungen bei jungen Menschen hohe Folgekosten verursachen.
Schleichender Rückbau trotz großem Engagement vor Ort
In vielen steirischen Gemeinden wird derzeit mit enormem Einsatz versucht, bestehende Angebote für Jugendliche zu retten. Weniger Öffnungstage, zusammengelegte Einrichtungen oder reduzierte Personalressourcen sind jedoch längst Alltag.
Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl betont: „Man sieht, wie viel Energie Träger, Mitarbeiter:innen und Gemeinden investieren, um mit weniger Geld weiter für Jugendliche da zu sein. Aber überall geht es um Reduktion – das ist kein zukunftsfester Zustand.“
Ein Blick auf das Landesbudget zeigt, woher dieser Druck kommt: Das Detailbudget für Jugend sinkt von 11,7 Millionen Euro im Jahr 2025 auf 11,3 Millionen Euro 2026. Bei einer Inflationsrate von rund 3,5 bis 4 Prozent bedeutet das real weniger Leistungen – bei gleichbleibendem oder steigendem Bedarf.
Wenn Prävention wegfällt, wird es später teuer
Besonders problematisch ist aus Sicht der Grünen, dass vor allem präventive Angebote unter Druck geraten. Offene Jugendarbeit, Streetwork oder Produktionsschulen helfen, Probleme früh abzufangen – bevor sie eskalieren.
„Wer hier kürzt, spart nicht wirklich“, so Krautwaschl. „Er verschiebt Probleme in die Zukunft und macht sie größer und teurer.“
Dabei gehe es ausdrücklich nicht um Kritik an Gemeinden oder Trägern. Viele Entscheidungen würden unter massivem finanziellen Zwang getroffen. Die Verantwortung liege bei der Landespolitik, klare Prioritäten zu setzen.
Auch die Fachpraxis warnt: Der Steirische Dachverband der Offenen Jugendarbeit hat zuletzt in einem offenen Brief auf die Folgen weiterer Einschnitte hingewiesen. Wenn Praktiker:innen Alarm schlagen, sollte das ernst genommen werden.
Konkrete Beispiele aus den Regionen
Was abstrakt klingt, hat ganz konkrete Auswirkungen auf junge Menschen:
Deutschlandsberg: Streetwork endet
Die mobile Jugendarbeit im Bezirk wird mit Jahresende eingestellt. Über 100 Jugendliche wurden zuletzt intensiv begleitet, dazu kamen tausende Kontakte und Workshops. Für viele war Streetwork der einzige Zugang zu Unterstützung.
Leibnitz: Jugendzentrum „Wave“ vor der Schließung
Ein etabliertes, gut besuchtes Jugendzentrum mit 350–400 Nutzer:innen jährlich verliert seine Finanzierung. Das Angebot war ein sicherer, konsumfreier Treffpunkt – ein Ort, der nun fehlt.
Produktionsschulen in Leibnitz und Liezen
Trotz hoher Erfolgsquoten werden zwei Produktionsschulen geschlossen. In Leibnitz fanden rund 86 Prozent der teilnehmenden Jugendlichen danach den Weg in Ausbildung oder Arbeit. Ein Angebot, das regionale Wirtschaft und Jugendliche gleichermaßen stärkte, fällt weg.
Auch in Murau, Judenburg, Rottenmann oder Fürstenfeld drohen weitere Einschnitte. Das Muster ist überall ähnlich: Die Jugend trifft es zuerst.
Lösungen statt Rückzug: Wie Jugendarbeit gesichert werden kann
Die Grünen Steiermark setzen sich dafür ein, dass Jugendarbeit nicht vom jeweiligen Gemeindebudget abhängt. Aus ihrer Sicht braucht es:
- Planungssicherheit für bestehende Angebote
- Übergangsfinanzierungen für gefährdete Strukturen
- Dialog auf Augenhöhe zwischen Land, Gemeinden, Trägern und Fachstellen
- Einen Jugendfonds auf Landesebene, um regionale Unterschiede abzufedern
Wer heute bei der Jugend spart, zahlt morgen doppelt – sozial, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Die Grünen Steiermark zeigen auf, dass es auch anders geht: mit klarem Bekenntnis zur Jugend, verlässlichen Rahmenbedingungen und Investitionen in Lebensqualität direkt vor der Haustür.

