Holocaust-Gedenktag: Warum Erinnerung politische Verantwortung braucht
Am 27. Jänner erinnert die internationale Gemeinschaft an die Opfer des Holocaust. In einer Zeit, in der immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ihre Geschichten persönlich erzählen können, gewinnen sichtbare Zeichen des Erinnerns an Bedeutung. Die Grünen Steiermark sehen genau hier eine wachsende Verantwortung der Politik – und kritisieren den Rückzug des Landes aus der aktiven Erinnerungskultur.
Erinnerung im Alltag braucht Rückhalt
„Mit jedem Jahr werden persönliche Berichte seltener. Umso wichtiger sind Orte und Zeichen, die Geschichte im Alltag präsent halten“, sagt Grünen-Klubobfrau Sandra Krautwaschl. Stolpersteine seien solche Zeugnisse: klein, aber wirkungsvoll. Sie erinnern direkt vor Häusern an Menschen, die verfolgt und ermordet wurden – und machen Geschichte greifbar.
Dass das Land Steiermark die Förderung für Stolpersteine gestrichen hat, sieht Krautwaschl kritisch. Erinnerung brauche nicht nur Engagement aus der Zivilgesellschaft, sondern auch politischen Rückhalt.
Erinnerungskultur ist keine private Aufgabe
Auch Grünen-Kultursprecherin Veronika Nitsche warnt vor den Folgen dieser Entscheidung. „Erinnerung trägt sich nicht von selbst weiter. Sie braucht Ressourcen und klare Verantwortung. Genau hier zieht sich die blau-schwarze Landesregierung derzeit zurück.“
Als Zeichen des Engagements übernehmen Krautwaschl und Nitsche selbst mehrere Patenschaften für Stolpersteine. Gleichzeitig betonen sie: Privates Engagement kann staatliche Verantwortung nicht ersetzen. Erinnerungskultur sei keine Liebhaberei, sondern eine öffentliche Aufgabe.
Warnsignale aus der Gegenwart ernst nehmen
Besonders problematisch erscheint der Rückzug des Landes vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen. Ein aktueller Bericht des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands zeigt einen deutlichen Anstieg rechtsextremer Tathandlungen in Österreich. Rechtsextremismus wird darin als größte Bedrohung für die Demokratie bezeichnet.
„In einer Situation, in der rechtsextreme Ideologien wieder lauter werden und sich normalisieren, ist der Rückzug aus der Erinnerungskultur das genau falsche Signal“, so Nitsche. Gerade jetzt brauche es ein klares Bekenntnis – keine Kürzungen.
Sicherheit heißt auch demokratische Werte schützen
Vor diesem Hintergrund sprechen sich die Grünen dafür aus, beim Sicherheitsgipfel des Landes Anfang Februar alle realen Bedrohungen für die Demokratie offen zu thematisieren. „Wenn wir Sicherheit ernst nehmen, dürfen wir bei Extremismus – egal von welcher Seite – nicht wegschauen“, betont Krautwaschl.
Der Holocaust-Gedenktag erinnert nicht nur an die Vergangenheit, sondern stellt auch Fragen an die Gegenwart. Wie eine Gesellschaft mit ihrer Geschichte umgeht, sagt viel darüber aus, wie sie ihre demokratischen Werte schützt. Sichtbare Erinnerung im Alltag bleibt dabei ein zentraler Baustein.

