A9-Ausbau bei Graz: Warum die dritte Spur keine Lösung ist
Der geplante Ausbau der A9 südlich von Graz sorgt weiter für Diskussionen. Während die Asfinag Prognosen für eine dritte Spur stellt, sehen die Grünen darin keinen nachhaltigen Weg aus dem Verkehrsproblem. Sie warnen vor mehr Verkehr, schlechterer Luftqualität und einem unrealistischen Zeitplan. Stattdessen schlagen sie konkrete Maßnahmen vor, die rasch Entlastung bringen sollen.
Kritik am A9-Ausbau: Zweifel an Zeitplan und Genehmigung
Für den Verkehrssprecher der Grünen, Lambert Schönleitner, ist klar: Der geplante Ausbau der A9 ist weder zeitlich noch rechtlich realistisch. Juristische Einschätzungen gehen davon aus, dass das Projekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) benötigt. Ein entsprechendes Verfahren wurde bisher jedoch nicht einmal gestartet.
„Die Emissionen und damit die Luftqualität würden sich maßgeblich verschlechtern. Wir können außerdem nicht bis 2038 warten, um die Probleme zu lösen“, so Schönleitner.
Mehr Spuren, mehr Verkehr
Ein zentraler Kritikpunkt: Eine dritte Spur würde den Verkehr nicht reduzieren, sondern weiter anziehen.
- Mehr Autos bedeuten mehr Emissionen
- Die Luftqualität im Raum Graz würde sich verschlechtern
- Gesundheitsbelastungen für Anrainer:innen steigen
Aus Sicht der Grünen steht der hohe finanzielle Aufwand in keinem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen.
Sofortmaßnahmen statt Milliardenprojekt
Statt auf einen langfristigen Autobahnausbau zu setzen, schlagen die Grünen ein Bündel an kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen vor – viele davon sind in Europa längst Standard:
- Schnellbus-Shuttles zu Park-&-Ride-Knotenpunkten
- Abschnittsweise Freigabe des Pannenstreifens
- Überholverbote für den Schwerverkehr
- Flexible Tempolimits bei Verkehrsspitzen, um den „Schmetterlingseffekt“ zu verhindern
- Ausbau wichtiger Bahnverbindungen, wie die Erweiterung auf zwei Gleise auf der Strecke Graz–Spielfeld
Diese Maßnahmen könnten rasch greifen und sowohl Pendler:innen als auch Gemeinden entlang der A9 spürbar entlasten.
Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Region
Ein besonderer Hebel liegt im Mobilitätsmanagement großer Betriebe im Zentralraum Graz. Unternehmen wie Andritz oder Magna könnten aktiv dazu beitragen, Verkehrsspitzen zu reduzieren. Wenn Arbeitswege besser organisiert werden, profitieren alle:
- weniger Stau
- geringere Kosten für Unternehmen
- attraktivere Alternativen für Beschäftigte
Hier sehen die Grünen das Land Steiermark in der Verantwortung, gemeinsam mit Verkehrsverbund und Wirtschaft konkrete Lösungen umzusetzen.
Die Diskussion rund um den A9-Ausbau zeigt: Die Frage der Mobilität im Großraum Graz braucht mehr als zusätzliche Fahrspuren. Mit gezielten Maßnahmen und Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Regionen können Lösungen entstehen, die schneller wirken – und gleichzeitig Umwelt und Lebensqualität schützen.

