Renaturierung der Raab: Projektbesuch von Krautwaschl & Haider-Wallner

Renaturierung der Raab: Wie ein Fluss wieder mehr Raum bekommt

Wie kann Hochwasserschutz funktionieren, ohne der Natur noch mehr Platz zu nehmen? Ein aktuelles Projekt entlang der Raab zwischen Jennersdorf und Fehring zeigt, wie Renaturierung und Klimaanpassung zusammenwirken können. Beim Besuch vor Ort machten sich die Grünen-Landesprecherinnen Sandra Krautwaschl und Anja Haider-Wallner ein Bild davon, wie aus politischen Entscheidungen konkrete Maßnahmen werden.

Renaturierung der Raab wird sichtbar

Auf Einladung der Initiative Flussraum Raab besuchten die Grünen-Landesprecherinnen Sandra Krautwaschl (Steiermark) und Anja Haider-Wallner (Burgenland) ein grenzüberschreitendes Renaturierungsprojekt entlang der Raab.

Die Initiative vereint Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen und Berufen – mit einem gemeinsamen Ziel: den Naturraum im Raabtal zu erhalten und für kommende Generationen weiter zu stärken. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie politische Entscheidungen konkrete Veränderungen vor Ort ermöglichen können. Grundlage dafür ist auch das EU-Renaturierungsgesetz, das vor rund zwei Jahren beschlossen wurde.

„Vor zwei Jahren wurden rund um das Renaturierungsgesetz viele Falschmeldungen verbreitet. Heute sehen wir, worum es tatsächlich geht: um intakte Flussräume, gesunde Böden und mehr Sicherheit bei Hochwasser“, sagt Krautwaschl.
„Dass dieses Gesetz beschlossen wurde, war keine Selbstverständlichkeit. Es war eine mutige Entscheidung – und sie war richtig.“

Auch Haider-Wallner betont die Bedeutung der damaligen Entscheidung: „In Zeiten von Dürreperioden und Hitzesommern zeigt sich, wie wichtig mutige Entscheidungen sind. Das Ja von Leonore Gewessler war die Voraussetzung dafür, dass wir heute solche Projekte umsetzen können. Renaturieren ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.“


Natürlicher Hochwasserschutz entlang der Raab

Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht die Wiederherstellung natürlicher Flussräume. Dazu gehören unter anderem:

  • die Rückgestaltung natürlicher Flussverläufe
  • neue Uferbepflanzungen
  • ökologische Korridore zwischen bestehenden Schutzgebieten

Intakte Böden spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie können Wasser aufnehmen und speichern – besonders bei Starkregenereignissen ein wichtiger Schutz für Siedlungen. „Renaturierte Flüsse bieten dem Wasser mehr Platz bei Starkregen und naturnahe Flächen wirken wie ein Schwamm. Sie entlasten Siedlungsräume und reduzieren Hochwasserrisiken. Das ist praktische Klimaanpassung direkt vor unserer Haustür“, erklärt Krautwaschl.

Auch der sinkende Grundwasserspiegel ist ein Thema in der Region. In manchen Brunnen ist bereits sichtbar, wie stark sich die Situation verändert hat. Durch gezielte Rückhaltemaßnahmen – etwa in kleineren Bächen – kann Regenwasser länger in der Landschaft gehalten werden. So lässt sich das schnelle Abfließen bremsen und der Grundwasserspiegel stabilisieren.

Davon profitieren mehrere Bereiche gleichzeitig:

  • Hochwasserschutz
  • Landwirtschaft
  • regionale Wasserversorgung

Mehr Lebensraum für Insekten und Tiere

Renaturierung stärkt nicht nur den Hochwasserschutz, sondern auch die Artenvielfalt.

Besonders deutlich zeigt sich das beim Rückgang der Insekten. Früher waren Windschutzscheiben nach längeren Autofahrten voller Insekten – heute ist davon nur noch wenig übrig. Dabei sind Insekten zentral für funktionierende Ökosysteme. Sie bestäuben Pflanzen, sichern unsere Lebensmittelproduktion und dienen vielen Tierarten als Nahrung.

Naturnahe Landschaften, vielfältige Lebensräume und biologische Landwirtschaft können helfen, diese Entwicklung aufzuhalten.

Lebensqualität entlang der Flüsse

Renaturierte Flüsse bringen nicht nur ökologische Vorteile. Sie schaffen auch neue Erholungsräume für die Menschen in der Region.

Gerade in zunehmend heißen Sommern werden naturnahe Flusslandschaften zu wichtigen kühlen Rückzugsorten – direkt vor der Haustür. Die Initiative Flussraum Raab möchte diesen Weg weitergehen und auch künftig Projekte umsetzen, die Natur, Landwirtschaft und Lebensqualität miteinander verbinden.

Der Besuch im Raabtal zeigt: Renaturierung ist keine abstrakte politische Idee, sondern konkrete Arbeit vor Ort. Wenn Flüsse wieder mehr Raum bekommen, profitieren Natur, Gemeinden und kommende Generationen gleichermaßen.