Bio und Tierwohl unter Druck – warum die öffentliche Beschaffung jetzt entscheidend ist
In öffentlichen Küchen wird täglich für fast eine halbe Million Menschen gekocht – und damit darüber entschieden, welche Landwirtschaft gestärkt wird. Die geplanten Änderungen von Landwirtschaftsminister Totschnig würden Bio und Tierwohl massiv zurückwerfen. Die Grünen Bäuerinnen und Bauern sowie die Grünen Steiermark zeigen auf, warum stabile Regeln für Qualität, Regionalität und die Zukunft heimischer Betriebe unverzichtbar sind.
Öffentliche Küchen als Hebel für die Landwirtschaft
450.000 Menschen essen täglich in Schulen, Spitälern, Kasernen und Mensen. Damit verbunden sind enorme Beschaffungsvolumina:
- 65 Millionen Euro pro Jahr gibt allein der Bund für Lebensmittel aus.
- Rechnet man Länder und Gemeinden dazu, geht es um weit über 100 Millionen Euro, die direkt bei heimischen Betrieben landen könnten.
Gerade deshalb gilt die Beschaffung als einer der stärksten Hebel für nachhaltige Landwirtschaft. Wenn Küchen regional einkaufen, entsteht Wertschöpfung vor Ort – von Bio-Milch über steirisches Gemüse bis zu Fleisch aus höherer Tierhaltung.
Geplante Streichungen gefährden Qualität und Tierwohl
Der aktuelle Entwurf des Landwirtschaftsministeriums sieht jedoch vor, zentrale Vorgaben zu streichen – darunter:
- das bereits geltende Ziel von 30 % Bio bis 2025,
- das nächste Etappenziel von 55 % Bio bis 2030,
- und wesentliche Elemente höherer Tierwohlstandards.
Aus Sicht der Grünen Bäuerinnen & Bauern öffnet das Tür und Tor für Billigimporte und Produktionsweisen, die mit höheren Qualitäts- und Tierwohlstandards nicht mithalten können.
„Jetzt macht der Minister den Markt frei für Billigimporte und Vollspaltenhaltung“, warnt Lackner.
Steiermark ohne Plan – und nun fällt auch der Bund zurück
Besonders brisant: Die Steiermark hat bislang keine eigenen Zielwerte oder ein Monitoring für nachhaltige Beschaffung etabliert. Das geht aus mehreren Anfragebeantwortungen der Ressorts hervor. Während andere Bundesländer längst vorangehen, bleibt die Steiermark ohne klare Richtung.
„Wer glaubwürdig über Regionalität reden will, muss selbst vorangehen“, sagt Sandra Krautwaschl, Klubobfrau der Grünen Steiermark. Wien und das Burgenland zeigen bereits, dass 50 bis 70 Prozent Bio machbar sind – und damit regionalwirtschaftliche Impulse entstehen.
Warum nachhaltige Beschaffung für Betriebe entscheidend ist
Viele landwirtschaftliche Betriebe haben in den vergangenen Jahren massiv in Bio, Qualität und Tierwohl investiert. Nicht als Marketingstrategie, sondern weil sie darin die Zukunft sehen: stabile Preise, faire Partnerschaften und Wertschöpfung in den Regionen. Öffentliche Küchen können diese Entwicklung verstärken – oder ausbremsen. Wenn Zielwerte gestrichen werden, fehlt den Betrieben Planungssicherheit.
„Sie brauchen eine starke Vertretung, die sich nicht wegduckt“, sagt Lackner. „Dafür stehen wir Grünen Bäuerinnen und Bauern.“
Was jetzt gebraucht wird
Die Grünen bringen konstruktive Alternativen ein und setzen sich dafür ein, dass öffentliche Mittel Zukunft sichern – nicht Billigimporte fördern. Zentral sind dabei:
- klare Bio- und Tierwohlziele für Bund und Länder,
- transparente Kennzahlen und Monitoring,
- faire Vergaberegeln zugunsten regionaler Qualität,
- langfristige Sicherheit für Betriebe, die in Nachhaltigkeit investieren.
Die kommenden Wochen entscheiden darüber, ob öffentliche Einrichtungen künftig regional und nachhaltig einkaufen – oder ob Qualitätsstandards zurückfallen. Für die Grünen Steiermark und die Grünen Bäuerinnen & Bauern steht fest: Gute Landwirtschaft braucht faire Regeln, die Betriebe stärken und unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützen. Die Debatte zeigt, wie wichtig es ist, nachhaltige Beschaffung nicht zu verwässern, sondern mutig weiterzuentwickeln.

