„Waldgespräche“– Ein Bildungskonzept

„Waldgespräche“– Ein Bildungskonzept

Eine erste Ideenskizze

Bildung hat viele Facetten. Sie ist eine der bedeutendsten Grundlagen, sich in einer rasant verändernden Zeit zurechtzufinden, denn sie vermittelt Orientierung und damit Sicherheit. Dies gilt insbesondere für einBildungsverständnis, das sich nicht aufabrufbares Schulwissen beschränkt, sondern das echtes Verstehen von komplexen Zusammenhängen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Lebens und Daseins ermöglicht. Bildung im Sinne von Kommunikations-und Medienkompetenz ist zudem die beste „Impfung“ gegen das Fake-News-Virus oder gegen Verschwörungstheorien aller Art und fördert damit Fähigkeiten, die integraler und unverzichtbarer Bestandteil einer reifen Gesellschaft in einer liberalen Demokratie sind. Viele Bildungsangebote –ich denke dabei beispielsweise an inspirierende Vorträgeoder professionell geleitete Workshops oder Seminare –sind nahezu ausschließlich in den Ballungszentren zu finden. Derartige Angebote auch im ländlichen Raum zu etablieren, scheint in vielerlei Hinsicht ein Gebot der Stunde.

Gleichzeitig sind es vielmehr als bloßes Wissen unsere Emotionen, die als Eingangstor einer neuen Wahrnehmung, eines neuen Denkens oder eines neuen menschlichen Selbstverständnisses dienen, und die durch Bildungsangebote im Idealfall angesprochen werden sollten. Nicht zuletzt durch einen Nebensatz unseres Vizekanzlers in einer Pressekonferenz inspiriert –er sprach damals vom neuen Schwerpunkt der Regionalisierung, in der auch Bildung einen besonderen Stellenwert bekommen solle, kam mir der Gedanke „Waldgespräche“.

Diese Idee findet ihre Grundlagen zum einen in der japanischen Meditationstechnik des „Waldbadens“, zum anderen in der antiken philosophischen Schule Platons, der Academia. Ein Waldhainbildete damals den Hintergrund für eine der bedeutendsten Schulen abendländischen Denkens. „Waldgespräche“können beispielsweise Spaziergänge oder kleine Wanderungen in Gruppen von ca. zehn Teilnehmern sein, die unter einem bestimmten Themenmotto stehen. Dabei sollte ein eventuell durchaus auch prominenter Experte für das jeweilige Thema die Gruppe begleiten. Neben lockeren Gesprächen während des Gehens kanneinmoderiertes Gespräch während einer Rast zu so manch nachhaltigemAha-Effekt führen. Nachhaltig vor allem deswegen, weil es fernab jeder schulischen Atmosphäre nichtum bloße Wissensvermittlung, sondern um empfundene und gelebte Erkenntnis geht, die schneller als jede andere Form der Wissensvermittlung zu einem verinnerlichten und wirklichenVerstehen komplexer Zusammenhänge führt–und damit zur Grundlage für Veränderung.Letztlich eignen sich alle Themen, die uns auf dieser Welt bewegen, für dieses Konzept: vom Klimaschutz über Fragen des Lebensstils, die auch eng mit gesundheitlichen Themen verbunden sind, bis hin zu grundlegenden interdisziplinären Fragen unseres gesellschaftlichen und sozialen Miteinanders.

Kerstin Piribauer, Ottendorf an der Rittschein